„Fly sein“ ist das „Jugendwort des Jahres 2016“. Das gab ein vom Langenscheidt-Verlag zusammengestellte Jury am vergangenen Freitag in München bekannt.

Das Jugendwort „fly sein“ bedeutet so viel wie „jemand oder etwas geht besonders ab“. Auf den Plätzen landeten dieses Jahr Wörter wie „bae“ (before anyone / anything else: Bezeichnung für zum Bespiel beste Freundin, Pizza etc.), isso (Zustimmung, Unterstreichen von etwas), Hopfensmoothie (Bier) und Bambusleitung (schlechte Internetverbindung).

Über 440.000 Online-Einsendungen hatte es vom 1. September bis zum 31. Oktober für das Jugendwort gegeben, wie der Langenscheidt-Verlag mitteilte. Wie hoch der wissenschaftliche Anspruch des Preises ist, verrät ungewollt die Pressemitteilung des Langenscheidt-Verlags:

Der Juror Christian Paga, Doktorand der Sprachwissenschaft an der Uni Duisburg-Essen, begründet seine Entscheidung so: „Ich finde es spannend, dass Jugendsprache heute immer internationaler wird. ‚Fly sein‘ kann vielfältig verwendet werden und erfüllt für mich die Kriterien, die Jugendsprache ausmachen“. Junior-Bloggerin Livia Kerp bringt es auf den Punkt: „Ich bin überzeugt: ‚Fly sein‘ wird einschlagen“. Sprachwissenschaftlich handelt es sich bei „fly sein“ um eine Zusammensetzung aus dem englischen Wort „fly“ („fliegen“) und dem Verb „sein“. Als Ausdruck für „besonders abgehen“ kann es sich auf eine Person oder eine Sache beziehen, beispielsweise kann „man voll fly sein“ oder auch „ein Song fly sein.“

Trotz der Simplizität dieser Statements ist die Medienresonanz auf diese PR-Aktion des Langenscheidt-Verlags beachtlich: Auch seriöse Medien berichten jedes Jahr über den Wettbewerb, der selbst fly zu sein scheint – ein Medienereignis, das nunmehr schon zum neunten Mal stattgefunden hat, isso.

Das sind die Jugendwörter der vergangenen Jahre:

2015 Smombie – Smartphone + Zombie = Smombie
2014 Läuft bei dir alles perfekt (kann ironisch sein)
2013 Babo – Anführer, Chef
2012 Yolo – You Only Live Once, „Sei’s drum“
2011 Swag –  coole Ausstrahlung
2010 Niveaulimbo – ständiges Absinken des Niveaus
2009 hartzen – auf der faulen Haut liegen
2008 Gammelfleischparty – Ü30 Partys

 

Das liegt auch an meiner Liebe zu den Dichtern. Es soll ja Leute geben, die nicht an den Gott der Poesie glauben. Aber ich weiß, dass er existiert. Hanser hat sehr viele Dichter verlegt. Einige davon wie Tomas Tranströmer, Seamus Heaney oder Joseph Brodsky wurden dann mit dem Nobelpreis geehrt. Von Gedichtbänden verkauft man in der Regel zwischen 300 und 800 Exemplare. (…) Natürlich sind das Verlustgeschäfte, das weiß man vorher. Aber es macht Vergnügen, Bücher zu haben, in denen jede Zeile stimmt und kein Wort zu viel ist. Ein literarischer Verlag ist ohne Poesie oder anspruchsvolle Essaybände eigentlich undenkbar. Wer das nur wegen der Rendite ausblendet, ist eigentlich gar kein Literatur-Verleger.

Michael Krüger, ehemaliger Geschäftsführer des Hanser Verlags, in „Ich weiß, dass der Gott der Poesie existiert“, Interview brand eins, November 2016 „Du weißt mehr als du denkst“ (Schwepunktthema Intuition)

image

Vorhang auf fürs Lesen – eines der drei Kinos im „Residenz“ am Kaiser-Wilhelm-Ring in Köln: Bücherwände und gemütliche Fauteuils, sogar mit Fußbänken, laden zur entspannten Lektüre ein. Alle Bücher sind echt und selbst Goethe grüßt aus dem Regal. Wichtiger Hinweis: Während der Filmvorführung ist das Lesen aufgrund von Dunkelheit und störendem Flimmern von vorne leider nicht möglich.

 

Residenz, Kaiser-Wilhelm-Ring 30, 50672 Köln
Filmprogramm Residenz Köln >>>

 

 

 

Vereinfachende Parolen, unhaltbare Versprechen und nicht plausible Politikangebote findet man nicht nur bei Populisten. Charakteristisch für sie ist, dass sie anti-elitär und grundsätzlich antipluralistisch sind. Ihr Anspruch lautet, dass nur sie das Volk vertreten. Deshalb sind sie der Tendenz nach undemokratisch. Sie unterstellen, das Volk sei eine homogene Einheit – aber in modernen Gesellschaften ist diese Homogenität eine gefährliche Fiktion.

Jan-Werner Müller in brand eins 06/2016, auch online>>>