Michel Houellebecq – Karte und Gebiet

Houellebecq kann man kaum schreiben, lesen kann man Houellebecq hingegen gut – mit Begeisterung sogar.

Mit “Karte und Gebiet” übertrifft sich der 1958 geborene französische Schriftsteller Michel Houellebecq mal wieder selbst. Der in diesem Jahr auf Deutsch erschienene Roman erzählt von Jed Martin, einem Künstler, der mit Fotografien von 1:150.000-Karten von Michelin mit einem Mal berühmt wird. Er wendet sich der figurativen Malerei zu und malt Werke wie “Bill Gates und Steve Jobs unterhalten sich über die Zukunft der Informatik”. Seine Bilder erzielen Millionenbeträge.

Sogar der berühmte Schriftsteller Michel Houellebecq schreibt ein Vorwort zu einem Kunstkatalog mit Martins Werken. Houellebecq? Ganz richtig, unser Houellebecq tritt in seinem eigenen Werk auf, und das kann eigentlich kein gutes Ende haben. Mehr wird hier nicht verraten.

Michel Houellebecq: Karte und Gebiet. Köln, 2011.

Michel Houellebecqs Virtuosität steigert sich von Meisterwerk zu Meisterwerk. Mit “Karte und Gebiet” schafft er eine scharfsinnige Analyse der Daseinsbedingungen zwischen einer so genannten Realität und einer wirklichen Virtualität. Das Reale ist immer das von Menschenhand und Menschenhirn Geschaffene, also Interpretation. Wir leben in einer Kunstwelt. Ein perfekter Zeit- und Gesellschaftsroman, fein und heiter erzählt vom melancholisch-romantischen Houellebecq, wahrscheinlich immer noch nicht auf dem Höhepunkt seines Schaffens.

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