Jonathan Franzen – Freiheit

    Merrie, zehn Jahre älter als Patty, und jedes einzelne davon sah man ihr an, hatte sich früher für die linke Studentenorganisation SDS in Madison engagiert und engagierte sich jetzt sehr in Sachen Beaujolais noveau.
    Jonathan Franzen, Freiheit

Jonathan Franzen hat in Berlin und München Germanistik studiert und es kann als sicher gelten, dass ihm die Werke des großen Thomas Mann während seines Studiums begegnet sind. Anders lässt sich nicht erklären, warum Franzen so wuchtige Familienromane schreibt. Im Klappentext von „Freiheit“, Franzens neuestem Werk, heißt es „ein großes Epos der letzten dreißig Jahre amerikanischer Geschichte“. Zugegeben, dies sind wohlfeile Werbetexte des Verlags, auf die man nicht allzu viel Wert legen muss. Doch spätestens nach 731 Seiten Lesevergnügen weiß der Leser, dass dem New Yorker Schriftsteller mit „Freiheit“ nicht nur vom Umfang her ein großes Werk gelungen ist, wieder einmal.

Jonathan Franzen: Freiheit. Reinbek bei Hamburg, 2010

„Freiheit“ ist die Geschichte der Familie Berglund, vor allem von Patty und Walter Berglund, deren Ehe sich, in der Mitte des Lebens angekommen, über viele viele Seiten des Romans bewähren muss. Franzens Virtuosität: Der Erzähler kriecht gewissermaßen in die Personen hinein, ist also im besten Sinne personaler Erzähler – und so tauchen wir tief in das Seelenleben der Figuren ein: Wir fühlen uns einsam und verlassen wie Patty, wir sind bürgerlich, rechtschaffen und ehrgeizig wie Walter, wir sind Künstler wie dessen Jugendfreund Richard Katz. Wir streben nach Anerkennung, wir verlieben uns, wir hassen einander. Wir sind die Berglunds. Ein lesenswertes Buch nicht nur an langen Winterabenden, vier von fünf Punkte in der Valeat-Skala.

Jonathan Franzen, Jahrgang 1959, lebt in New York. In Deutschland wurde er durch „Die Korrekturen“ bekannt, einem Familien- und Zeitroman, der 2001 erschienen ist. Weitere Werke: Die 27. Stadt (1988), Schweres Beben (1992), Anleitung zum Alleinsein (2002), Die Unruhezone (2006).

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