Der Tod als Kränkung

In der Woche zwischen Volkstrauertag und Totensonntag hat der Tod Hochkonjunktur. Günther Jauch plauderte vergangenen Sonntag über den Tod, die ARD gab dem Tod gleich eine ganze Themenwoche. Den anregendsten Gedanken habe ich heute in der Sonntagsausgabe des Berliner Tagesspiegels gefunden. Claudia Keller spricht in ihrem Beitrag „Ins Offene“ über Sterben und Tod und merkt an, dass der Tod für den modernen Menschen eine Kränkung darstelle:

Der Mensch hier und heute ist endgültig das Maß aller Dinge geworden. Die meisten Westeuropäer wollen ihr Leben in Freiheit gestalten und sich weder vom Papst noch vom Staat hineinreden lassen. Die Vorstellung, am Ende des Lebens dem Körper, den Schmerzen und irgendwelchen Ärzten ausgeliefert zu sein, ist für viele unerträglich. Sterben und Tod sind zur letzten und wahrscheinlich größten Herausforderung für den selbstbestimmten Menschen geworden. Der Tod macht alle Inszenierungen zunichte, setzt jeder Selbstdarstellung ein Ende. Er erscheint als ultimative Kränkung, als finale Niederlage.

Claudia Keller (Jahrgang 1968), Tagesspiegel, 25. November 2012, Seite 7

Mehr zum Thema bei Valeat:
„Niemals sterben“
“Erst im Angesicht des Todes erkennen viele, worauf es ankommt.”

16 Comments

  1. einmal war ich dafür in höchster körperlicher not mit exit sterben zu können. meine arbeit mit
    altern, kranken und sterbenden änderte meine einstellung. nein jeder tag ist wichtig
    aufmerksam zu leben den übergang zu erleben so gut wie möglich. das beste zu geben es ist mein leben mit vielen möglichkeiten und existenzen. ich kann immer neu beginnen ganz gleich in welch einen zustand der „tod“ ist immer ein anfang den ich bestimme.

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  2. Der Tod ist ein tief verankertes Programm in uns. Zellen zuhauf sterben minütlich (oder sekündlich, ich weiß es nicht exakt :-). Das Leben in Zeiten eingeteilt, Baby, Kind, Jugendlicher, junger Mensch, alter Mensch.. Du wirst nie wieder Baby sein, nie wieder Kind etc. also hast du bereits mehrere kleine Tode schon hinter dir. Das was man oft Entwicklung nennt ist immer auch ein Sterben.
    Das geschieht auf der körperlichen, der seelischen und der geistigen Ebene ebenso. Was hat man nicht schon alte Anschauungen sterben lassen …
    Hinter allem was wir an essentiellem tun steckt immer die wenn auch verkapselte Absicht, nicht zu sterben. Wir atmen, essen und schlafen, um nicht zu sterben. Natürlich nicht bewußt und vordergründig – aber es ist lebenserhaltend.
    Den Tod sehe ich nicht als Kränkung an, überhaupt hat mich diese Sichtweise doch sehr erstaunt.
    Er mag für Menschen, die sehr am Leben hängen natürlich der unfaire Schiedsrichter sein. Für andere widerum ein Befreiungsschlag. Die Medaille hat ja immer zwei Seiten und um genau zu sein sogar drei. Der Tod kommt hinzu bzw. gehört dazu.
    Was nicht heißt, dass ich frei von Emotion wäre. Der Verlust eines lieben Menschen plättet ungemein. Tiefe Traurigkeit und alle anderen zugehörigem Emotionen zu diesem Thema kenne ich auch. Das ist eben auch Teil des Lebens, bzw. der Lebenden.
    Den Tod sehe ich jedoch nur als endgültig in Bezug auf Materie an.
    Ich wünsche einen wundervollen, bewußten und lebendigen Tag.

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  3. Guten Tag an alle, ich habe eure Gedanken gelesen und sie berühren mich. Ich denke schon, dass der Tod in unserer westlichen Gesellschaft, wie übrigens auch das Alter, irgenwie als etwas sehr Negatives angesehen werden. Das Älterwerden und Sterben hat doch auch den Vorteil, dass wir Verantwortung abgeben und an die Jungen, die nachkommen, weitergeben können und dass so das Leben weitergehen kann. Das ist jedenfalls meine Hoffnung. Allen einen guten Tag. Martina

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    1. Liebe Xeniana,
      ich glaube, genau das, was Du hier ansprichst, den Tod mit in das Leben hineinzunehmen, war u.a. ein Anliegen dieser Themenwoche. Ich finde es für mich ganz wichtig, mich mit dem Tod und vor allem mit dem Sterben auseinanderzusetzen. In unserer Gesellschaft geschieht er ja eher im Verborgenen. Eine berechtigte Angst geht diesem Verhalten voraus.
      Danke, valeat, für Deinen Beitrag, und Xeniana für den Kommentar.

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  4. Ich glaube, ich habe gelesen nur 90% der Menschen sterben plötzlich und in Frieden. Der Rest stirbt nach Krankheit und ist vor dem Tod nicht selten ein Pflegefall. In allen Familien gibt es die Pflegefälle aber es wird selten darüber gesprochen und es trifft die Familie immer unerwartet. Es ist besser, wenn man sich vorher damit auseinandersetzt!

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  5. Lieber Ben, man wünscht sich ein gnädiges Einschlafen nach einem langen, erfüllten Leben. Den Wenigsten ist das vergönnt. Wenn man ein gutes Leben hat, kann man sich kaum vorstellen, es einmal aufgeben zu müssen. Was wird bleiben, ein paar nette Erinnerungen, Fotos, alte Briefe, ein paar Erbstücke, zerstreut in alle Winde. Nicht mehr dabei, nicht mehr da zu sein, dieser Gedanke macht mich sehr traurig. Liebe Grüße, Petra

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    1. Liebe Petra, herzlichen Dank. Der Tod kann Erlösung von Schmerz und Qual sein. Oder er ist ein Abschied, von allem, was einem lieb und teuer ist – wie wenn man nach einem rauschenden Fest „Tschüss“ sagt und dann in ein tiefes Loch fällt. Doch ich tröste mich damit, dass der Tod ist kein Abschied auf Dauer ist: Erstens bleibt das von einem in der Welt zurück, was einen wirklich ausgemacht hat. Das ist selten das, was man bewusst für die Nachwelt geschaffen hat. Und zweitens glaube ich, dass mit dem Tod nicht das Ende kommt. Bis dahin will ich so gut und intensiv wie möglich das Fest des Lebens rauschend feiern – leben! Viele Grüße, Ben

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  6. Für mich ist der Tod das Ende von einen langen Leben schon jetzt lang weil es mehr Leid als Freude gibt. Es immer nicht genug Zeit gibt um all das zu machen was gefordert wird. Ein Schuften jenseits der Grenzen. Ein hinterher Jagen nach allen was man braucht zum Leben. Von Luxus rede ich gar nicht erst. Warum soll ich traurig sein aus diesen Leidensweg auszuscheiden. Die Welt ist kaputt verletzt andere und merkt nicht mal das sie sich selbst verletzt. Nein der Tod kann Befreiung sein für jemanden der ihn als zum Leben dazugehörig akzeptiert. Nichts wovon man Angst haben muss. Die Menschen die wirklich alt werden sehnen sich mehr danach als nach dem Leben was nur Schmerzliches hinterlässt.

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    1. Lieben Dank für Deinen Kommentar. Du sprichst vom Tod, der nicht nur als schreckliches Ende, sondern als Befreiung von einem schmerzlichen Leben gedeutet werden kann. Ich muss darüber nachdenken. Viele Grüße, Ben von Valeat

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