Joghurtbecher mit Delle

Schreiben Sie sich eine Einkaufsliste, und werfen Sie vor dem Einkauf einen Blick in den Kühlschrank. Zeigen Sie im Laden Herz für einen Joghurtbecher mit Delle, für die Spaghetti vor dem Ablaufdatum oder den Apfel, der keinen Schönheitspreis gewinnt. Und vor allem: Lernen Sie Ihre Lebensmittel wieder schätzen. Unsere Grosseltern gaben noch einen grossen Teil ihres Lohns für Lebensmittel aus, heute sind es ein paar wenige Prozente. Es ist gut, dass sich heute fast alle gutes Essen leisten können. Aber es ist verheerend, wenn wir deswegen unsere Wertschätzung für Lebensmittel verlieren. Ein überquellender Kühlschrank mag an Weihnachten okay sein. Doch für den Rest des Jahres sollten Sie wissen, was sich alles hinter der Tür verbirgt. Und noch etwas: Gute Köche sehen Reste als Chance für kulinarische Kreativität. Die Devise fürs neue Jahr lautet deshalb: mehr Auflauf statt Abfall.

Thomas Vellacott (Jahrgang 1971) in der NZZ am Sonntag, 30. Dezember 2012

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4 Comments

  1. Schön geschrieben, schön gesagt. Als Kind, das im Kommunismus aufwuchs, weiß ich mit meinen 28 Jahren immer noch was Nahrung für einen Wert hat. In dem teil von Jugoslawien, heute Slowenien, gab es nicht wenig, so das man hätte Hungern müssen, aber es gab nicht die Auswahl die wir heute haben. Jede Mahlzeit wurde mit Brot verzehrt, es gab oft Ei und gesalzene Gurken oder Tomaten, Hühnersuppe war eines der Gerichte die öfters wiederkehrten, Gefüllte Paprika eines der Seltenen. Ich kann nicht genau sagen ob es daran lag, das wir als Blockbewohner Arm lebten, immer noch über den Roma, aber Arm in einem Land das nicht viel bot, aber es schien dennoch üppig und ausgewogen. Es gab einen Markt, es gab Gemüse und Fisch zu kaufen in Maribor, meiner Heimatstadt an der Drava (Drau) und es reichte gefühlt mehr, als heute wo es alles gibt und überall zu kleinem Preis, wie der Text treffend beschreibt. Ich kenne viele Menschen, die essen keinen Tomaten, sie mögen Sie nicht, oder Gurken, oder Salat, oder Eier, oder Vollkornbrot und ich kann diese Liste endlos weiterführen. Die Gesellschaft hat einen Punkt erreicht, wo der allgemeine Wohlstand so hoch liegt, das wir uns aussuchen können was wir wollen. Nahrung hat in dieser Gesellschaft nicht mehr die Aufgabe nur zu Sättigen. Sie soll gut riechen, sie soll aus anderen Kulturen kommen, Eingeflogen für unser Luxusempfinden, weil uns unsere Auswahl schon lange nicht mehr reicht. Extravaganz ist durchschnitt und unser Nahrungsempfinden ein als natürlich angesehener Luxus. Ich finde es löblich einen solchen Vorsatz zu fassen und auch einzuhalten, aber andererseits schade, das es nicht so als natürlich gehandhabt wird. Viele dank für diesen Artikel

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