Sieht halt cool aus

Richtig cool und nachhaltig? Foto: (c) Jennifer Jane - Fotolia.com
Richtig cool und nachhaltig? Foto: (c) Jennifer Jane – Fotolia.com

Da haben andere schon mehr kapiert. In Frankreich zum Beispiel gibt es ganz große nachhaltige Mode mit Leuten, die einfach Spaß dran haben und sagen: „Hey, das sieht auch noch gut aus.“ Bei uns war früher bewusstes Leben mit Ökolatschen und Jutetasche behaftet. Der Öko musste schlecht aussehen. Die Zeiten sind vorbei. Man kann heute durchaus nachhaltige Mode kaufen und auch noch richtig gut dabei aussehen. In anderen Ländern ist das total cool. In Deutschland hält sich die Meinung: „Na ja, so richtig cool ist das ja nicht.“ Richtig cool ist immer noch der Topdesigner, der Sportartikelhersteller, der Kinder für sich arbeiten lässt: „Es ist zwar Scheiße, ich weiß, aber es sieht halt cool aus.“ Da stecken wir noch in den Kinderschuhen.

Thomas D (Jahrgang 1968) in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung vom 23. Oktober 2013

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9 Comments

  1. Natürlich geht es jungen Menschen so, wie R.M.Lady beschrieben. Ich habe drei Kinder, der Jüngste ist fast 13. Mein Gott, würde ich dem mit Ökokleidung kommen, würde der mir gnädigenfalls den Vogel zeigen. Natürlich weiß er um das Thema Kleidung, Herstellung und deren Dramatik in den Ländern vor Ort Bescheid. Auch grob über die giftigen Stoffe in der Kleidung. Ersteres alleine schon aus den Medien gut informiert (und hier wieder das Pro für Medien, schließlich muß nicht immer alles schlecht gesprochen werden), zweiteres vorrangig von mir. Würde allerdings Ökokleidung gleiches Aussehen haben wie seine Jugendkleidung, er wäre sofort dabei.
    Aber, sind wir doch mal ehrlich. Ökokleidung damals hieß 1. gut betucht (monetär) zu sein, 2. in Sack und Asche zu laufen.
    Heute ist das zwar nicht mehr ganz so dramatisch, aber es trifft in abgeschwächter Form doch mehrheitlich noch zu. Das gleiche gilt auch für gesunde Ernährung.

    Mein Sohn ist noch in der Findungsphase und ich finde es völlig legitim, dass er sich nach dem Trend anziehen möchte (Markenklamotten ausgeschlossen, die kann ich mir gar nicht leisten). Sobald er erwachsen und fähig, sich mehr noch zu individualisieren und auch zu finanzieren, obliegt es seiner Entscheidungsgewalt.

    Ich selbst habe meinen eigenen Stil, kann mir allerdings Ökokleidung nicht leisten – wie wohl die Mehrzahl der Menschen. Hinzu kommt, dass mich immer noch nichts in punkto Öko wirklich stilistisch umgehauen hat.

    Außerdem lassen sich Ökokleidungsläden einfach noch zu wenig in der Öffentlichkeit sehen. Und dies ist ein Hauptargument!
    Irgendwie auch gut so, wer würde schon glauben, dass es plötzlich so viel ökologisch wertvoll hergestellte Kleidung gibt?
    Wer kann wirklich glauben, dass es plötzlich so viel Biologisch und ökologisch hergestellte Nahrungsmittel gibt, wie es uns große Bioketten sowie die ganze Bioreihen in den Supermärkten weis machen wollen?

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    1. Die billig produzierten Waren tun weder den Produzenten noch den Konsumenten gut. Aus diesem Grund ist der Preis nicht nur nicht fair, sondern auch volkswirtschaftlich nicht vertretbar, weil die Folgekosten ausgeblendet werden. Auch hier ist die Wirtschaft aus dem Ruder gelaufen, also müssen wir eingreifen, für uns die von uns gewählten Vertreter. Schönen Dank, sagt Ben von Valeat, der (leider) auch keine Ökoklamotten trägt.

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  2. Stimmt leider 😦 Auf dem Gymnasium haben sich die Kinder aus vermögenden Familien zeitlang über unseren Sohn lustig gemacht, weil er keine Markenklamotten an hatte. Irgendwann ging ich dorthin und habe seiner Klasse vorgeschlagen uns einfach Geld zu spenden, damit wir entsprechende Kleidung für ihn kaufen konnten und gut ist. Erst danach war Ruhe.

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      1. Was sollte ich als Mutter machen, Ben? Unser Sohn – der war damals 12 – war schon nervlich, wie man das so schön sagt, fix und fertig, sodass die Gefahr bestand, dass er das Gymnasium hinschmeissen würde. Das sollte auf gar keinen Fall passieren! Hat ihn nachhinein das Ganze nur noch stärker gemacht, weil nicht umbringte 😀
        LG und Ihnen und Ihren Lesern auch einen schönen Sontag!

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        1. Lieben Dank, das ist ein großes Beispiel: die Flucht nach vorne antreten und die Verhältnisse nicht einfach so hinnehmen. Ich bin sehr beeindruckt. Ganz herzlichen Dank und viele Grüße, Ben von Valeat

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