Robin Sloan: Die sonderbare Buchhandlung des Mr. Penumbra

 

Ein Mann hastet eine dunkle, einsame Straße entlang. Schnelle Schritte und schwerer Atem. Staunen und verzweifelte Erwartung. Ein Glöckchen über einer Tür und das Bimmeln, das es von sich gibt. Ein Verkäufer und eine Leiter und ein warmes, goldenes Licht, und dann: genau das richtige Buch, genau zur rechten Zeit.

penumbra

Drinnen: Stellen Sie sich Form und Inhalt einer normalen Buchhandlung vor, bloß hochkant. Der Laden war geradezu absurd eng und schwindelerregend hoch, und die Regale reichten bis zur Decke – drei Stockwerke hoch Bücher, vielleicht sogar mehr. Ich reckte den Hals (warum wird man in Buchläden immer gezwungen, sich den Hals zu verrenken?), und die Regale verschwammen so übergangslos in den schummrigen Höhen, dass ich das Gefühl bekam, sie könnten endlos weitergehen.

Robin Sloan: Die sonderbare Buchhandlung des Mr. Penumbra.
München 2014.

 

Ich gestehe es: Ich hatte mich verlaufen. Das ist nicht mein Genre, denn „Die sonderbare Buchhandlung des Mr. Penumbra“ von Robin Sloan liest sich wie ein Abenteuerroman, wie die Bücher von Herbert Kranz rund um die Expeditionen von „Ubique Terrarum“, die ich als Kind verschlungen habe, oder wie die „Drei Fragezeichen“: keine große Literatur, aber ungemein spannend. Weiteres Argument für die Lektüre: Es geht es um Bücher und so musste ich dieses Buch von Robin Sloan wenigstens einmal „anlesen“ und dann hatte mich die Suche nach dem Geheimnis der Buchhandlung von Mr. Penumbra schon in ihren sirenischen Bann gezogen – das E-Buch hatte sogar nach Druckerschwärze und Papier gerochen, unwiderstehlich!

Zum Inhalt: Der Ich-Erzähler Clay Jannon ist ein erfolgloser Werbedesigner und heuert bei Mr. Penumbra an, in dessen alter Buchhandlung er die Nachtschichten schiebt. Nur ganz selten verirren sich Kunden in diese seltsame Buchhandlung, die sich ihre Bücher nach einem bestimmten System auszuleihen scheinen. Gemeinsam mit seinen Freunden kommt Clay dahinter, dass die Kunden von Mr. Penumbra Mitglieder eines Geheimbundes namens „Der Ungebrochene Buchrücken“ sind und das jahrhundertealte Rätsel des Buchdruckers und Verlegers Aldus Manutius zu decodieren versuchen.

So viel sei verraten: Es geht in diesem Buch auch um die Anfänge der Druckkunst mit beweglichen Lettern und um Schriften, genauer um die Schrift eines gewissen Griffo Gerritszoon. Unserem Helden Clay und seinen Freunden gelingt es schließlich, das Rätsel des Aldus Manutius mit Hilfe modernster Technologien zu lösen, mit Hightech-Scannern und Google und 3-D-Simulationen, aber erst müssen sie eine Reihe von Abenteuern in San Francisco und New York bestehen und sich gegen Widerstand aus der Chefetage des Geheimbundes behaupten.

Und: Ich bereue es nicht, dass ich mich mit der Wahl von „Die sonderbare Buchhandlung des Mr. Penumbra“ verlaufen hatte. Das ist ein gutes spannendes Buch – ganz wie früher.

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