Arbeit ist ein Muss – es ist ein sozialer Status, es gibt einem Identität. Es gibt einem Würde, es bringt den Kontakt zu anderen Menschen. Seitdem ich Arbeit sowohl aus einem soziologischen als auch einem ökologischen Winkel betrachte, bin ich selber ein großer Fan von Arbeit geworden. Nicht wegen des Status, sondern vielmehr, weil es mir eine Grundlage für ein gesundes Leben bietet.

Andrew Paul McAfee in The European, 02/2016

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Bulle und Bär im Schnee vor der Börse in Frankfurt. Foto: (c) Valeat
Bulle und Bär im Schnee vor der Börse in Frankfurt. Foto: (c) Valeat

 

Das Ziel der Finanzwirtschaft ist nicht eine Verbesserung von Lebensbedingungen des Einzelnen. Es geht nur darum, auf Kosten aller anderen Geld zu verdienen. Auf der einen Seite stehen wirklichkeitsfremde Renditeerwartungen, die nur durch Verarmung großer Teile der Gesellschaft zu erreichen sind. Einfache Jobs werden gestrichen, und gleichzeitig entstehen Bullshit-Jobs, die keiner braucht.

Von alleine regulieren sich die Finanzmärkte sicher nicht. Börsentransaktionssteuern und Vermögenssteuern wären erste Maßnahmen. Solange mit Geld mehr Geld verdient werden kann als mit Arbeit, wird das alles immer schlimmer. Wieso misst eine Gesellschaft, die für sich doch eine gewisse Vernunft in Anspruch nimmt, einem so irrationalen Produkt wie Geld dermaßen viel Bedeutung zu? Das habe ich nicht verstanden. Wenn man mal ein bestimmtes Vermögen erreicht hat, kann man gar nicht mehr arm werden. So viel kann man nicht ausgeben.

Harald Lesch, Professor für theoretische Astrophysik, im Interview mit der Süddeutschen Zeitung vom 30. Januar 2015

Staub auf den Schuhen und auf der getretenen Seele,
schleicht er den Weg der stummen Vergrollten dahin,
springt ihm kein fröhliches Wort aus der trockenen Kehle;
Suche nach Arbeit drückt seinen grübelnden Sinn.

Seine Tage sind dunkel, die Sonne verhüllen
graudampfe Nebel. Er hebt nicht die Blicke empor.
Die Klänge der Arbeit, die alle Straßen erfüllen
brausen um ihn wie ein hohnvoll spottender Chor.

Wie doch die Stunden in quälendem Hoffen sich dehnen,
indes ihn vorwärts peitscht die hungernde Not.
Er klopft an die Türen, dahinter die Hämmer dröhnen,
all seine Sinne schreien nach Arbeit und Brot.

Alles umsonst. Der Taglauf beugt sich dem Ende.
Wiederum nichts. Seine Lippen flüstern es matt.
Er schaut im Haß auf die schwielenbedeckten Hände
und schleicht hinaus auf das lehmige Feld vor der Stadt.

Alfons Petzold, 1882 – 1923

 

stellengesuche

Düster, breit, kahl und eckig
Liegt im armen Vorort die Fabrik.
Zuckend schwillt, schrill und brutal
Aus den Toren Maschinen-Musik.

Schlot und Rohr und Schlot und Schlot,
Heißdurchkochtes Turmgestein,
Speien dickes Qualmgewölk
Über traurigstarre Häuser, Straßenkot.

Tausend Mann, Schicht um Schicht,
Saugt die laute Arbeits-Hölle auf.
Zwingt sie all in harte Pflicht
Stunde um Stunde.

Bis der Pfiff heiser gellt:
Aus offnem Tore strömen dann
Mädchen, Frauen, Mann und Mann –
Blasses Volk – müde – verquält –

Schläft der Ort –: glüh und grell
Schreit aus hundert Fenstern Licht!
Kraftgesumm, Rädersausen, Qualm durchbricht
Roh und dumpf die Nacht –

Tag und Nacht: Lärm und Dampf,
Immer Arbeit, immer Kampf:
Unerbittlich schröpft das Moloch-Haus
Stahl und Mensch um Menschen aus.

Gerrit Engelke, 1890 – 1918

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