Ihre kleine Maschine hier, mit der Sie unser Gespräch aufzeichnen, ermöglicht gewissen Leuten, genau zu wissen, wo Sie gerade sind, sie können herausfinden, was Sie sagen, selbst wenn die Maschine ausgeschaltet ist – das ist ein Bereich, in dem die Politik nicht im Mindesten auf Augenhöhe mit der herrschenden Technologie ist. (…) Die Masse an Daten, die jetzt gesammelt wurde, stellt einen massiven Angriff auf uns alle dar, einen Einbruch in die menschliche Privatsphäre, gegen den wir uns wappnen müssen. Aber das ist ein so gewaltiges Thema, das müssen wir im nächsten Interview besprechen.

Bernie Sanders im Interview mit der Zeit vom 24. Mai 2017

Im vergangenen Jahr waren es die Medien – besonders hier in Europa –, die sich den etablierten Fakten des großen Schmuggels und der digitalen Zukunft furchtlos entgegengestellt haben. Da Amerika zögert, synthetische Deklarationen zu entwickeln, die uns über den Überwachungskapitalismus hinausführen können, bleibt Europa unsere größte Hoffnung im Hinblick auf diese weltgeschichtliche Herausforderung. Europa muss die Fackel übernehmen und einen Weg in eine neue Heimat bahnen.
Behalten Sie Ihren Mut. Wir stehen erst am Anfang, und es stimmt, dass Anfänge furchteinflößend sind. Aber, wie Hannah Arendt es formuliert hat, mutet jeder Anfang aus der Perspektive der Prozesse, die er unterbricht, wie ein Wunder an. Die Begabung, Wunder zu tun, ist überaus menschlich, so ihre Argumentation, weil sie die Quelle aller Freiheit ist.
Mögen wir gemeinsam Frank Schirrmachers Erbe weiterführen, indem wir uns an der Schaffung vieler großartiger und schöner neuer Tatsachen beteiligen, welche die digitale Zukunft als Heimat der Menschheit zurückgewinnen.
Das soll unsere Erklärung sein.

Shoshana Zuboff (Jahrgang 1951) in der FAZ vom 15. September 2014 (Rede vom 12. September 2014 in Potsdam)

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Heute wurde bekannt, dass Facebook den Kurzmitteilungsdienst WhatsApp für 19 Milliarden Dollar gekauft hat. WhatsApp nutzen weltweit 450 Millionen Menschen, bei Facebook sind 1,2 Milliarden registriert. An diesem Tag erinnert Valeat an ein Zitat von Martin Lindstrom:

Datamining-Unternehmen oder „Big Brother“, wie ich sie nenne, ist es zu verdanken, dass uns ein unsichtbarer Datensammler beschattet, jedes Mal wenn wir googeln, bei Facebook einen Freund an die Pinnwand schreiben, unsere Kreditkarte benutzen, einen iTunes-Song herunterladen, uns auf unserem Handy den Weg zeigen lassen oder im Laden um die Ecke einkaufen. Er zeichnet jeder kleinste Information auf, verarbeitet und analysiert sie. Dann verkauft er sie weiter: an Einzelhändler und Marketing-Agenturen.

Martin Lindstrom (Jahrgang 1970) in seinem Buch „Brandwashed: Was du kaufst, bestimmen die anderen“: Frankfurt, 2012. In diesem Buch beschreibt der renommierte Marketingexperte die Praktiken der Werbestrategen, um uns zum Kauf zu verführen. Tenor: Wir werden alle von der Wiege an durch Werbung manipuliert und haben kaum Macht mehr über unsere Kaufentscheidung. Eine wichtige Rolle für die Werbewirtschaft spielt das Datamining, das unsichtbare Sammeln von Daten über die Konsumenten, um das Verbraucherverhalten zu analysieren und die Kaufentscheidung zu beeinflussen.

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Was du kaufst, bestimmen die anderen

Im Trend: Achtsamkeit und Gentrifizierung. Grafik: (c) Valeat
Im Trend: Achtsamkeit und Gentrifizierung. Grafik: (c) Valeat

 

Aus dem Nichts tauchen neue Wörter auf. Plötzlich sind sie da und jeder verwendet sie. Trendwörter verraten viel über den Zustand oder die Befindlichkeit einer Gesellschaft. „Befindlichkeit“ ist auch so ein Trendwort. Oder „Expertise“ oder „Entschleunigung“ oder „chillen“. Da gibt es Trendwörter, die aufgrund einer veränderter Lebenswelt entstehen: „Big Data“ oder „Shitstorm“ sind sprachliche Neuschöpfungen für Phänomene, die es vor der Erfindung des Internets noch nicht gegeben hat. Andere Trendwörter entstehen anscheinend aus dem Nichts.

Zwei neue Trendwörter sind mir jüngst aufgefallen. Das eine ist „Gentrifizierung“, ein Fachwort, das aus der Stadtsoziologie kommt. Wer’s noch nicht gehört hat: Gentrifizierung meint die Veränderung in Wohnvierteln aufgrund sozioökonomischer Unterschiede. Um es deutlich zu sagen: Die Armen fliegen aus ihren billigen Wohnungen raus und die Reichen ziehen in fein sanierte Apartments ein. Berlin-Kreuzberg oder Köln-Ehrenfeld sind Stadtviertel, in deren Zusammenhang man unser Trendwort gerne verwendet. Manchmal spricht man in solchen Fällen auch von „Yuppisierung“ – ein Wort, das neu ist, aber nicht im Trend liegt (3.280 Fundstellen bei Google, 459.000 hingegen für „Gentrifizierung“).

Das andere Trendwort ist mir seit einem halben Jahr höchstens bekannt. Es heißt „Achtsamkeit“. Das normale Wort „Achtsamkeit“ kenne ich natürlich, neu hingegen ist das Trendwort. Was versteht der Trendmund unter „Achtsamkeit“? Nähern wir uns an, über ein Buch selbstredend: „Das Einmaleins der Achtsamkeit“ ist ein Buch, das man sich sogar im Online-Shop von Lidl bestellen kannst. Untertitel des Buches: „Vom sorgsamen Umgang mit alltäglichen Gefühlen“. Es geht also darum, dass man auf seine Gefühle hört. Im Zusammenhang mit „Gesundheitsmanagement“ ist mir das neue Trendwort „Achtsamkeit“ auch schon einmal begegnet: den eigenen Körper bewusst wahrnehmen. Achtsam leben heißt: gesund und in Einklang mit sich selbst leben.

Trendwörter spiegeln die Wirklichkeit. Vielleicht fallen Euch auch noch einige Trendwörter ein, die Ihr liebt oder die Euch nerven. Anregungen bieten die Veröffentlichungen der Gesellschaft für deutsche Sprache zum Wort des Jahres oder auch die des Langenscheidt-Verlags zum Jugendwort des Jahres.

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