Es tut mir leid, dass Sie in Ihrem Beruf Bücher lesen müssen, die Sie nicht interessieren. Das muss sehr ermüdend sein.

Schriftsteller Navid Kermani im Gespräch mit der Literaturkritikerin Iris Radisch über sein neues Buch „Sozusagen Paris“ in der ZEIT vom 22. September 2016.

Kermani erhielt 2015 den Friedenspreis des Deutschen Buchhandels und ist jüngst für sein bürgerschaftliches Engagement im Zusammenhang mit der so genannten „Kölner Botschaft“ mit dem „Bürgerpreis der deutschen Zeitungen“ des Bundesverbandes Deutscher Zeitungsverleger (BDZV) ausgezeichnet worden.

David Kermani und die Kölner Botschaft
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„Es ist wie eine Krankheit, aber ich möchte nicht von ihr geheilt werden.“

Karl Lagerfeld über seine Leseleidenschaft in der FAZ vom 23. Januar 2016 („Ich suche auch Sachen, die ich nicht suche“).
Den Beitrag von Uwe Ebbinghaus über den Büchersammler Karl Lagerfeld gibt es auch in der FAZ online >>>

Bücherstapel mit Karl Lagerfeld. Foto vom Foto aus KARL LAGERFELD | Parallele Gegensätze | Fotografie – Buchkunst – Mode | 15. Februar – 11. Mai 2014.
Bücherstapel mit Karl Lagerfeld. Foto vom Foto aus KARL LAGERFELD | Parallele Gegensätze | Fotografie – Buchkunst – Mode | 15. Februar – 11. Mai 2014, Folkwang Museum, Essen.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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Foto: (c) Valeat
Foto: (c) Valeat

Der Stil ist eine weitere Bedeutungsebene, vielleicht die entscheidende. Das merkt man übrigens bei allen Büchern von Alexijewitsch. Es wird einem nicht gesagt: Hört her, das ist wichtig! Sondern das Wichtige wird einem durch die Stilistik des Textes vorgeführt. Wichtige Bücher sind Wegmarken, die oft einen großen synthetisierenden Aspekt haben: Mehrere Dinge werden zusammen gesehen und erhalten in dieser Zusammenschau eine Bedeutung.

Elisabeth Ruge in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung vom 10. November 2015

Hier geht es zum Interview in der FAZ >>>

Uns ist klar geworden, dass das Problem weit über den Amazon-Hachette-Streit hinausgeht. Ein Unternehmen hat einen monopolistischen Zugriff auf den amerikanischen Buchmarkt, was Verkauf, Vertrieb und Veröffentlichungen angeht: Das wäre selbst dann beunruhigend, wenn es sich bei Amazon um eine freundliche Firma handelte. Aber so ist es nicht. Amazon ist dabei, den freien Ideenfluss in unserer Demokratie zu beschränken.

Douglas Preston über den Kampf gegen Amazon. Aus: Frankfurter Allgemeine Zeitung, 5. September 2015.

Derzeit hört und liest man viel über die Macht großer Konzerne: darüber, wie Amazon den Verlagen die Konditionen diktiert, wie Apple die Begierden der Smartphone-Fans fernsteuert. Nicht so viel hört man von der anderen Seite: von der stillen Macht der Käufer. Apple und Amazon brauchen ihre Käufer viel mehr, als die Käufer Apple und Amazon brauchen. Würden die Käufer einigermaßen geschlossen auf besseren Arbeitsbedingungen von Lagerarbeitern und auf ökologisch korrekt gefertigten Smartphones bestehen – wir wetten: Amazon würde erste einführen und Apple zweitere anbieten. (…) Moral ist manchmal eben ein bisschen unbequem.

Tobias Hürther und Thomas Vašek im Philosophie Magazin Hohe Luft 01/2015

 Titelseite Hohe Luft 01/2015
Titelseite Hohe Luft 01/2015

Buch oder E-Book? Diese Fragen stellte auch Jaron Lanier bei der Verleihung des Deutschen Buchpreises in der Frankfurter Paulskirche: "Was ist besser für ein Buch, ein Spionagegerät zu sein oder Asche?" Bild: (c)contrastwerkstatt-Fotolia.com/Valeat.
Buch oder E-Book? Diese Frage stellte auch Jaron Lanier bei der Verleihung des Deutschen Buchpreises in der Frankfurter Paulskirche: „Was ist besser für ein Buch, ein Spionagegerät zu sein oder Asche?“ Bild: (c)contrastwerkstatt-Fotolia.com/ Valeat.

Der Friedenspreis des Deutschen Buchhandels hat mit Büchern zu tun, also müssen wir uns in der Ära der digitalen Übernahme fragen: „Was ist ein Buch?“ Bücher sind ein Spiel mit hohem Einsatz, vielleicht nicht in Bezug auf Geld (im Vergleich mit anderen Branchen), doch in Bezug auf Aufwand, Engagement, Aufmerksamkeit, die Bereitstellung unseres kurzen Menschenlebens und unseres Potentials, positiven Einfluss auf die Zukunft zu nehmen. Autor zu sein zwingt uns zu einer vermenschlichenden Form der Verwundbarkeit.

Das Buch ist ein Bauwerk menschlicher Würde. Das Wesen des Buchs ist Beweis dafür, dass individuelle Erfahrung existentiell für die Bedeutungsebene ist, denn jedes Buch ist anders. Bücher aus Papier sind naturgemäß nicht zu einem kollektiven universalen Buch verquirlt. Bücher verändern sich. Einige der Metamorphosen sind kreativ und faszinierend. Aber zu viele der Metamorphosen sind unheimlich. Plötzlich müssen wir uns gefallen lassen, überwacht zu werden, um ein E-Book zu lesen! Auf was für einen eigentümlichen Handel haben wir uns da eingelassen!

In der Vergangenheit kämpften wir, um Bücher vor den Flammen zu retten, doch heute gehen Bücher mit der Pflicht einher, Zeugnis über unser Leseverhalten abzulegen, und zwar gegenüber einem undurchsichtigen Netzwerk von Hightech-Büros. Was ist besser für ein Buch, ein Spionagegerät zu sein oder Asche? Bücher haben uns immer geholfen, die Probleme zu lösen, die wir uns aufgehalst haben. Jetzt müssen wir uns selbst retten, indem wir die Probleme erkennen, die wir den Büchern aufhalsen.

Jaron Lanier in seiner Dankesrede für den Friedenspreis des Deutschen Buchhandels am 12. Oktober 2014 in der Frankfurter Paulskirche. Aus: Frankfurter Allgemeine Zeitung vom 13. Oktober 2014

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Sakaguchi Ango über das Prinzip aller Künste. Bild Sakaguchi Ango: aus Lettre International 105/Sommer 2014. Bild: (c) Valeat
Sakaguchi Ango über das Prinzip aller Künste. Bild Sakaguchi Ango: aus Lettre International 105/Sommer 2014. Bild: (c) Valeat

Bei meinem Beruf, der Literatur, verhält es sich genauso. Nicht eine Zeile darf hinzugefügt werden um der Schönheit willen. Die Schönheit entsteht gerade nicht dort, wo man sich ihrer bewusst ist. Das, was unbedingt geschrieben werden muss, was notwendig geschrieben wird, erschöpft sich nur in Antwort auf das absolut Notwendige. Es ist einfach notwendig, egal, ob eins, zwei oder hundert, es ist von Anfang bis Ende ganz und gar notwendig. Und die einzigartige Gestalt, die diese unausweichliche Substanz verlangt, bringt die Schönheit hervor. Sobald man sich vom Verlangen der Substanz entfernt und sich auf den Standpunkt des Ästhetischen oder Lyrischen stellt und eine Säule baut, wird das Werk belanglos. Darin besteht der Geist der Prosa, das ist die wahre Gestalt des Romans. Zugleich ist es das Prinzip aller Künste.

Sakaguchi Ango (1906 – 1955) in Lettre International 105, Sommer 2014

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