Es gibt nur noch Google. Es gibt keine Ge­schichte mehr. Geschichte ist ein Narrativ. Heute liest man keine Narrative mehr. Wer wissen will, was früher passiert ist, geht zu Google, aber Google ist kein Narrativ. Die Kultur ist zerstört und kommt nicht zurück. Das hat nicht nur Nachteile. Wenn ich früher an meinen Tod dachte, war ein unangenehmer Gedanke immer der, dass, wenn ich sterbe, in der Kultur noch viel geschehen wird. Heute fühle ich mich glücklich, denn die Kultur ist früher gestorben als ich. Also kann ich glücklich sterben in der Überzeugung, dass nach meinem Tod nichts mehr passieren wird, was mich hätte interessieren können.

Boris Groys in Lettre international 111 – Winter 2015

17 Jahre Google am 27. September 2015.
Google ist 17 – am 27. September 2015. Das feiert die Suchmaschine des US-amerikanischen Unternehmens Alphabet Inc. (früher: Google) mit einem „Google Doodle“, einer Illustration auf der Startseite jener Suchmaschine, die sich seit dem 27. September 1998 „Google“ nannte. Yahoo, Altavista oder Lycos waren damals die Konkurrenten. Schon im Jahr 2000, nicht einmal zwei Jahre nach seiner Gründung war Google Marktführer. „Googeln“ wurde zum Synonym für das Suchen nach einem Begriff im Internet. Der Internetkonzern wird als „Datenkrake“ bezeichnet, weil er Daten seiner Kunden sammelt und auswertet. Also auch in Zukunft: Fröhliches Suchen und Sammeln!
Das Doodle von Google zum 17. Geburtstag von Google.
Das Doodle von Google zum 17. Geburtstag von Google.

Apple is watching you: Icons auf einem iPhone.
Apple is watching you: Icons auf einem iPhone.

Der Smartphone-Nutzer ist im Moment komplett entmündigt. Die meisten Anwendungen erfordern eine generelle Zustimmung zum Datenzugriff. Damit werden Konzerne wie Apple, Google und Facebook das Kaufverhalten der Konsumenten alleine auswerten und damit auch steuern. Die Apple-Uhr könnte im Extremfall beispielsweise über den Puls ihres Trägers beim betrachten einer Internetseite mit einem Produkt klare Schlüsse über seine Kaufinteressenten liefern.

Key Pousttchi (Jahrgang 1970) im Interview mit der Kölnischen Rundschau, 25. April 2015

Key Pousttchi ist Wirtschaftsinformatiker und gilt als anerkannter „Mobile-Business-Experte“. Als Steigerung zur Smartwatch sieht er einen Computerchip, den man unter die Haut implantiert, ein System, das man bei einem Club in Barcelona als Zugangskontrolle und Zahlungsmittel erfolgreich eingesetzt habe, so Pousttchi in der Kölnischen Rundschau.

Das Internet hat eine Kultur geschaffen, in der man Rechte verlangt, aber keine Pflichten übernimmt. Du nimmst, aber du gibst nichts. Das Internet ist die Plattform, von der aus wir der Welt unsere Geschichte erzählen. Die Geschichte anderer wollen wir nicht hören. Politisch ist das größte Problem genau diese Verantwortungslosigkeit. Das Internet wird uns präsentiert, als sei es wundersam vom Himmel gefallen, um uns allen zu dienen. Die Folge? Der Konsument hat den Bürger ersetzt. Alles dreht sich darum, was uns zusteht, was wir wollen, wie wir es kriegen. Und zwar so schnell wie möglich.

Nein, es passt uns absolut nicht, was Andrew Keen über das Internet sagt, und es tut uns Online-Junkies schon ein bisschen weh, wie respektlos er mit unseren Heiligtümern umgeht.

In einem Interview, das Laura Hertkemper und Joachim Käppner mit Andrew Kern führte (Süddeutsche Zeitung, 21./22.02.2015), schießt er eine beispiellose Kanonade ab – gegen Twitter, Instagramm, Facebook & Co.

Twitter sei voll von „selbstreferentiellen Narzissmus“ und Facebook die „gruseligste aller Firmen im Netz“. Seine Hauptthesen aus seinem jüngst in Deutschland erschienenen Buch „Das digitale Debakel“ sind alles andere als appetitlich für die Cyber-Community:

  • Die digitale Revolution lässt die Schere zwischen Arm und Reich auseinander gehen; die Mittelschicht verschwindet – es profitieren vor allem „junge, weiße Männer, die im Silicon Valley sitzen, Milliarden verdienen und sich die Hände reiben“.
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  • Internetfirmen verkaufen gesammelte Daten weiter: Die willenlose Masse vor den Bildschirmen wird im Internet zum Produkt für das Gewinnstreben profitsüchtiger Mega-Unternehmen.
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  • Das Internet vernichtet Arbeitsplätze. Beispiel Kodak: Der Fotografieausrüster hatte einst 145.000 Mitarbeiter. Durch die digitale Fotografie und das Teilen von Fotos im Internet, zum Beispiel bei Instagramm, sei die Mitarbeiterzahl heute auf weniger als ein Zehntel geschrumpft, während Instagramm im Jahr 2012 „gerade mal ein Dutzend Mitarbeiter“ gehabt habe.
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    Wie desillusionierend für uns, die wir im Internet und in den sozialen Netzwerken neue Chancen für Kommunikation und Demokratie gesehen haben, und wieder wettert Keen im Interview mit der Süddeutschen Zeitung gegen Twitter und das Internet im Allgemeinen:

    Praktisch ist Twitter, wie das gesamte Netz, Schauplatz von Mobbing und Hetzkampagnen, regelrechter Onlinepogrome, durch die Menschen und Gruppen aus einer Gemeinschaft gedrängt werden. Das heißt: Die Gemeinschaft im Netz ist reine Einbildung. Die sogenannten sozialen Netzwerke sind absolut asozial.

    Bei aller heftiger Kritik lehnt Andrew Keen das Internet an sich nicht ab; er fordert vielmehr klare Online-Regeln: die Einschränkung der Macht der Internetkonzerne, Datenschutzgesetze und das Verbot der Anonymität bei der Meinungsäußerung im Internet.

    Im Kern wendet sich Keen gegen zwei Gruppen: gegen die Internetkonzerne, die die Menschen für ihre eigenen Profitzwecke benutzen, und gegen die Masse der Internetnutzer, die auf flachstem Niveau sich selbst darstellen, hemmungslos verallgemeinern und dabei kein Pardon gegenüber Minderheiten und Schwachen kennen.

    Andrew Keen fordert ein humanes Internet.

    In Googlonien werden Menschen zu Produkten. Foto: (c) NN / Valeat
    In Googlonien werden Menschen zu Produkten. Foto: (c) NN / Valeat

    In Googlonien bewertet ein Algorithmus die Menschen wie früher die Produkte. Beförderungen, ausgiebiges Shoppen und ein harmonisches Familienleben lassen deren Wert steigen, finanzielle Probleme, aggressives Verhalten und Reden über Politik führen zur Abwertung. Das Absetzen der Google-Brille steht unter Strafe, KI-Programme scannen beständig Augenbewegungen und Körperfunktionen.
    Dafür bekommt der Bürger stets die passende Werbung eingeblendet. Sie schwitzen? Wie wäre es mit dem neuesten Anti-Schweiß-Shirt zum Sonderpreis? Lieferzeit zehn Minuten. Sie zweifeln am System? Wir empfehlen eine Therapie gegen politischen Extremismus. Ein paar Aufmüpfige suchen nach Funklöchern, in denen sie noch unbelauscht miteinander sprechen können. Dort erzählen sie sich dann Gerüchte wie dieses: Irgendwo in den Alpen, in einem tiefen Bunker, gebe es noch eine Kopie des alten, freien Internets.

    Manuela Lenzen in einer Rezension über das Buch „Die analoge Revolution“ von Christian Schwägerl. In: FAZ vom 4. Oktober 2014

    © berc - Fotolia.com

    Langweilig zu werden ist das Schicksal der meisten Menschen, die die Lichter der Tech-Wirtschaft bis tief in die Nacht brennen lassen. Diese Industrien mögen zu den pulsierendsten und dynamischsten der Welt gehören, und doch gehören jene, die im Inneren des Bienenstocks unaufhörlich an ihre prothetischen Geräte andocken, zu den ödesten Zeitgenossen.
    An ihren Früchten sollt ihr sie erkennen, sagt Jesus in Matthäus 7,16. Auf der Welt, die wir heute teilen, sind die Früchte vollkommen geschmacklos. Ich habe Teenager, gestern noch überschwenglich, eloquent, interaktiv und vor Persönlichkeit strotzend, nach drei Monaten Smartphone- oder iPad-Besitz zu aphasischen Zombies werden sehen. Der junge Wein stirbt noch an der Rebe, und Dionysos, der tellurische Gott der Ekstase, ist nirgends in Sicht. Es ist unwahrscheinlich, dass die nächste große digitale Innovation ihn zu uns zurücklocken wird.

    Robert Pogue Harrison in der FAZ vom 12. August 2014

    Gibt es eine Alternative zu Google? 95 % der Deutschen benutzen Google, Grund genug für Bundesjustizminister Heiko Maas über eine Entflechtung nachzudenken.
    Gibt es eine Alternative zu Google? 95 % der Deutschen benutzen Google, Grund genug für Bundesjustizminister Heiko Maas über eine Entflechtung nachzudenken.

     

    Stellen Sie sich mal ein Energieunternehmen vor, das 95 Prozent des gesamten Marktes abdeckt. Da wären die Kartellbehörden aber ganz schnell auf dem Plan. Solche Verhältnisse sind marktwirtschaftlich nicht sinnvoll, nicht gesund. Also: Ja, wenn Google seine marktbeherrschende Stellung missbraucht, um Wettbewerber systematisch zu verdrängen, dann sollte als letztes Mittel auch so etwas wie eine Entflechtung erwogen werden. Was sich hier allerdings zeigt, ist: Die digitale Welt kennt längst keine Ländergrenzen mehr. Sie ist zu groß für allein nationalstaatliche Regeln. Das digitale Zeitalter braucht ein Völkerrecht des Netzes. Da haben wir gewaltigen Nachholbedarf.

    Heiko Maas, Bundesjustizminister, in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung vom 28. Juni 2014

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    Wir haben die naive und spielerische Phase des Internets hinter uns gelassen. Wir sehen klarer: Die Gefahren der digitalen Revolution liegen zum einen in autoritären oder gar totalitären Tendenzen, die den Möglichkeiten der Technologie selbst innewohnen, zum anderen darin, dass neue Monopolmächte Recht und Gesetz aushöhlen. Es geht also um nicht weniger als die Zukunft der Demokratie im Zeitalter der Digitalisierung und damit um Freiheit, Emanzipation, Teilhabe und Selbstbestimmung von 500 Millionen Menschen in Europa.

    Sigmar Gabriel in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung, 16. Mai 2014

    Nur Wahlkampfgetöse oder ernstgemeint? Im Feuilleton der Frankfurter Allgemeinen Zeitung fordert der SPD-Vorsitzende und Wirtschaftsminister Sigmar Gabriel eine europäische Lösung für den Umgang mit Internetgiganten wie Google. Auch von einer „Entflechtung“ ist in diesem Gastbeitrag „Die Politik eines Betriebssystems“ innerhalb der FAZ-Serie „Digitalisierung von Wirtschaft und Gesellschaft“. Der Suchmaschinenbetreiber wehrt sich gegen die Vorwürfe von Gabriel:

    Wir sind überrascht von der Ansicht des Wirtschaftsministers, Unternehmen wie Google würden Nutzern, der Wirtschaft und der Gesellschaft schaden.

    Philipp Justus, Chef von Google Deutschland, zitiert nach Frankfurter Allgemeine Zeitung, 17. Mai 2014.

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    Was NSA und Internetkonzerne wie Google oder Facebook betreiben, ist kein Datensammeln aus Spaß an der Freud. Auch hat es wenig mit dem zu tun, was Sie oder ich unter nationaler Sicherheit verstehen. Ziel des Spiels ist das Erreichen von Vorhersehbarkeit und damit Steuerbarkeit von menschlichem Verhalten im Ganzen. Das funktioniert heute schon erschreckend gut. Wer genügend Informationen über die Lebensführung eines Einzelnen miteinander verbindet und auswertet, kann mit erstaunlicher Trefferquote voraussehen, was die betreffende Person als Nächstes tun wird – ein Haus bauen, ein Kind zeugen, den Job wechseln, eine Reise machen. Bald wird das »Internet der Dinge« seine volle Wirkung entfalten. Dann wird Ihr Kühlschrank aufzeichnen, was Sie essen, und Ihr Auto, wohin Sie fahren. Ihre Armbanduhr wird Blutdruck, Kalorienverbrauch und Schlafphasen auswerten. Rauchmelder und Alarmanlage in Ihrem Haus werden sich merken, wann Sie wie viel Zeit in welchen Räumen verbringen. Welche Bücher Sie kaufen, mit wem Sie mailen oder telefonieren, für welche Filme, Musik oder politischen Themen Sie sich interessieren, ist ja sowieso schon lange bekannt.

    Juli Zeh in einem „Offenen Brief an die Bundeskanzlerin“ – ZEIT vom 15. Mai 2014

     

    Ein Mann hastet eine dunkle, einsame Straße entlang. Schnelle Schritte und schwerer Atem. Staunen und verzweifelte Erwartung. Ein Glöckchen über einer Tür und das Bimmeln, das es von sich gibt. Ein Verkäufer und eine Leiter und ein warmes, goldenes Licht, und dann: genau das richtige Buch, genau zur rechten Zeit.

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    Drinnen: Stellen Sie sich Form und Inhalt einer normalen Buchhandlung vor, bloß hochkant. Der Laden war geradezu absurd eng und schwindelerregend hoch, und die Regale reichten bis zur Decke – drei Stockwerke hoch Bücher, vielleicht sogar mehr. Ich reckte den Hals (warum wird man in Buchläden immer gezwungen, sich den Hals zu verrenken?), und die Regale verschwammen so übergangslos in den schummrigen Höhen, dass ich das Gefühl bekam, sie könnten endlos weitergehen.

    Robin Sloan: Die sonderbare Buchhandlung des Mr. Penumbra.
    München 2014.

     

    Ich gestehe es: Ich hatte mich verlaufen. Das ist nicht mein Genre, denn „Die sonderbare Buchhandlung des Mr. Penumbra“ von Robin Sloan liest sich wie ein Abenteuerroman, wie die Bücher von Herbert Kranz rund um die Expeditionen von „Ubique Terrarum“, die ich als Kind verschlungen habe, oder wie die „Drei Fragezeichen“: keine große Literatur, aber ungemein spannend. Weiteres Argument für die Lektüre: Es geht es um Bücher und so musste ich dieses Buch von Robin Sloan wenigstens einmal „anlesen“ und dann hatte mich die Suche nach dem Geheimnis der Buchhandlung von Mr. Penumbra schon in ihren sirenischen Bann gezogen – das E-Buch hatte sogar nach Druckerschwärze und Papier gerochen, unwiderstehlich!

    Zum Inhalt: Der Ich-Erzähler Clay Jannon ist ein erfolgloser Werbedesigner und heuert bei Mr. Penumbra an, in dessen alter Buchhandlung er die Nachtschichten schiebt. Nur ganz selten verirren sich Kunden in diese seltsame Buchhandlung, die sich ihre Bücher nach einem bestimmten System auszuleihen scheinen. Gemeinsam mit seinen Freunden kommt Clay dahinter, dass die Kunden von Mr. Penumbra Mitglieder eines Geheimbundes namens „Der Ungebrochene Buchrücken“ sind und das jahrhundertealte Rätsel des Buchdruckers und Verlegers Aldus Manutius zu decodieren versuchen.

    So viel sei verraten: Es geht in diesem Buch auch um die Anfänge der Druckkunst mit beweglichen Lettern und um Schriften, genauer um die Schrift eines gewissen Griffo Gerritszoon. Unserem Helden Clay und seinen Freunden gelingt es schließlich, das Rätsel des Aldus Manutius mit Hilfe modernster Technologien zu lösen, mit Hightech-Scannern und Google und 3-D-Simulationen, aber erst müssen sie eine Reihe von Abenteuern in San Francisco und New York bestehen und sich gegen Widerstand aus der Chefetage des Geheimbundes behaupten.

    Und: Ich bereue es nicht, dass ich mich mit der Wahl von „Die sonderbare Buchhandlung des Mr. Penumbra“ verlaufen hatte. Das ist ein gutes spannendes Buch – ganz wie früher.

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    Heute wurde bekannt, dass Facebook den Kurzmitteilungsdienst WhatsApp für 19 Milliarden Dollar gekauft hat. WhatsApp nutzen weltweit 450 Millionen Menschen, bei Facebook sind 1,2 Milliarden registriert. An diesem Tag erinnert Valeat an ein Zitat von Martin Lindstrom:

    Datamining-Unternehmen oder „Big Brother“, wie ich sie nenne, ist es zu verdanken, dass uns ein unsichtbarer Datensammler beschattet, jedes Mal wenn wir googeln, bei Facebook einen Freund an die Pinnwand schreiben, unsere Kreditkarte benutzen, einen iTunes-Song herunterladen, uns auf unserem Handy den Weg zeigen lassen oder im Laden um die Ecke einkaufen. Er zeichnet jeder kleinste Information auf, verarbeitet und analysiert sie. Dann verkauft er sie weiter: an Einzelhändler und Marketing-Agenturen.

    Martin Lindstrom (Jahrgang 1970) in seinem Buch „Brandwashed: Was du kaufst, bestimmen die anderen“: Frankfurt, 2012. In diesem Buch beschreibt der renommierte Marketingexperte die Praktiken der Werbestrategen, um uns zum Kauf zu verführen. Tenor: Wir werden alle von der Wiege an durch Werbung manipuliert und haben kaum Macht mehr über unsere Kaufentscheidung. Eine wichtige Rolle für die Werbewirtschaft spielt das Datamining, das unsichtbare Sammeln von Daten über die Konsumenten, um das Verbraucherverhalten zu analysieren und die Kaufentscheidung zu beeinflussen.

    Mehr zum Thema:

    Was du kaufst, bestimmen die anderen

    Das größte Problem für unsere Gesellschaft sind nicht die Daten selbst, das größte Problem sind die Arbeitsplätze, die durch die technische Revolution wegrationalisiert werden. Mit 3-D-Druckern und der Hochtechnisierung in Betrieben treten wir wahrscheinlich in ein Zeitalter der Hyperarbeitslosigkeit ein.

    Zerstört das Internet Arbeitsplätze?  Foto: © Frank Peters - Fotolia.com
    Zerstört das Internet Arbeitsplätze? Foto: © Frank Peters – Fotolia.com
    Schauen Sie sich an, wie sich beispielsweise der Fotomarkt entwickelt hat: Die Firma Kodak hatte in den USA einst hunderttausend Angestellte, beim Netzfotodienst Instagram arbeiteten 13 Leute, als Facebook ihn 2012 kaufte. Das Gleiche passiert in der Musikindustrie, im Journalismus, auf dem Buchmarkt. So, wie sich die Digitalisierung bislang entwickelt hat, zerstört sie die Mittelschicht unserer Gesellschaft. […]

    Wir brauchen neue Ideen. Ich habe in meinem Buch „Wem gehört die Zukunft?“ eine skizziert. Wir könnten ein weltweites Mikrobezahlsystem aufbauen, von dem nicht nur die wenigen großen Firmen profitieren, sondern jeder Nutzer, der wertvolle Inhalte bietet. Denn das ist doch die eigentliche Krux: Facebook, Google, Twitter leben nur von ihren Nutzern, die Nutzer profitieren aber nicht.

    Jaron Lanier (Jahrgang 1960) im Interview mit der Zeit vom 13. Februar 2014