Im November 2017 trat der „Zeit“-Chefredakteur Giovanni di Lorenzo als Festredner beim Dies academicus an der Uni Bayreuth auf, er warb bei den Studierenden um mehr Mut und die Bereitschaft, in stürmischen Zeiten Verantwortung zu übernehmen. Und dann entdeckte ich in der Rede den Satz: „Ich bin davon überzeugt, dass es während des Studiums auch um Herzensbildung gehen sollte.“ Herzensbildung halte ich nicht für eine Kompetenz, und ich rechne sie auch nicht den soft skills zu. Es handelt sich um ein hohes, womöglich das höchste Bildungsgut. Wer liest, ist unterwegs dorthin, vielleicht.

Wolfgang Hegewald in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung, 31. März 2018

Sätze fliegen mir da nicht zu. Es sind eher Gesichter, die mir kommen, wenn ich irgendetwas anderes mache. Früher habe ich das dann viel ausführlicher notiert. Inzwischen nur noch ganz abgekürzt. Ich mache Notizen in ein kleines Oktavheft. Aber immer nur ein paar Wörter. Wenn ich später draufschaue, habe ich leider manchmal gar keine Ahnung mehr, was die bedeuten sollten.

sz_gruen_150
Don DeLillo im Interview mit der Süddeutschen Zeitung vom 22./23. Oktober 2016. Sein neuer Roman „Null K.“ ist in Kürze in Deutschland erschienen; Rezensionen zu diesem Roman aktuell im Feuilleton oder in den Literaturbeilagen aller namhaften Zeitungen.

 

Foto: (c) Valeat
Foto: (c) Valeat

Der Stil ist eine weitere Bedeutungsebene, vielleicht die entscheidende. Das merkt man übrigens bei allen Büchern von Alexijewitsch. Es wird einem nicht gesagt: Hört her, das ist wichtig! Sondern das Wichtige wird einem durch die Stilistik des Textes vorgeführt. Wichtige Bücher sind Wegmarken, die oft einen großen synthetisierenden Aspekt haben: Mehrere Dinge werden zusammen gesehen und erhalten in dieser Zusammenschau eine Bedeutung.

Elisabeth Ruge in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung vom 10. November 2015

Hier geht es zum Interview in der FAZ >>>

"Das ist radikal." Karl Ove Knausgard über die Literatur Peter Handkes, hier eine Seite aus Handkes Werk "Immer noch Sturm".
„Das ist radikal.“ Karl Ove Knausgard über die Literatur Peter Handkes, hier eine Seite aus Handkes Werk „Immer noch Sturm“.

 

In den späten Achtzigerjahren habe ich in Bergen studiert, literarisches Schreiben, bei Jon Fosse, der ja auch in Deutschland ein sehr bekannter Autor ist, vor allem für das Theater. Dort wurde gelehrt, dass man so implizit wie möglich schreiben sollte, also andeuten, nicht ausschreiben: „Show it, don’t tell it“, lautete die Devise. Ein Jahr später las ich dann „Mein Jahr in der Niemandsbucht“, und das war etwas ganz Anderes – ein Muster der Ausführlichkeit, einer Aufrichtigkeit, die von Respekt zeugt, allem und jedem gegenüber. Und dann gibt es bei Handke Werke wie „Wunschloses Unglück“, das Buch vom Selbstmord der Mutter, und das ist mit großer Anständigkeit geschrieben, mit dem Willen, niemanden auszunutzen oder bloßzustellen. Das ist radikal, wirklich radikal, in einem guten Sinne.

Karl Ove Knausgård (norwegischer Schriftsteller, Jahrgang 1968) im Interview mit der Süddeutschen Zeitung vom 11. April 2014

Mehr zu Peter Handke:
Peter Handke – Immer noch Sturm
Die schönen Tage von Aranjuez
Peter Handke über Autoren und Kritiker

 

Schreiben ist ein Spiel mit dem Tod. Foto: (c) flucas - Fotolia.com

Ich sehe die Philosophie als eine Suche nach Wahrheit, was eine gewisse Ernsthaftigkeit des Geistes voraussetzt, während es in der Literatur um etwas anderes geht. Schreiben ist ein Spiel mit dem Tod. Wenn man sich auf das Schreiben eines Romans einlässt, muss man eine Sprache finden. Die Sorge, eine eigene Sprache zur Welt zu bringen, nimmt in den Augen des Schriftstellers eine tödliche Gewichtigkeit an, wird für ihn zu einer lebenswichtigen Frage.

Imre Kertész (Jahrgang 1929) in Philosophie Magazin Nummer 5/2013