Das liegt auch an meiner Liebe zu den Dichtern. Es soll ja Leute geben, die nicht an den Gott der Poesie glauben. Aber ich weiß, dass er existiert. Hanser hat sehr viele Dichter verlegt. Einige davon wie Tomas Tranströmer, Seamus Heaney oder Joseph Brodsky wurden dann mit dem Nobelpreis geehrt. Von Gedichtbänden verkauft man in der Regel zwischen 300 und 800 Exemplare. (…) Natürlich sind das Verlustgeschäfte, das weiß man vorher. Aber es macht Vergnügen, Bücher zu haben, in denen jede Zeile stimmt und kein Wort zu viel ist. Ein literarischer Verlag ist ohne Poesie oder anspruchsvolle Essaybände eigentlich undenkbar. Wer das nur wegen der Rendite ausblendet, ist eigentlich gar kein Literatur-Verleger.

Michael Krüger, ehemaliger Geschäftsführer des Hanser Verlags, in „Ich weiß, dass der Gott der Poesie existiert“, Interview brand eins, November 2016 „Du weißt mehr als du denkst“ (Schwepunktthema Intuition)

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Foto: (c) Valeat
Foto: (c) Valeat

Der Stil ist eine weitere Bedeutungsebene, vielleicht die entscheidende. Das merkt man übrigens bei allen Büchern von Alexijewitsch. Es wird einem nicht gesagt: Hört her, das ist wichtig! Sondern das Wichtige wird einem durch die Stilistik des Textes vorgeführt. Wichtige Bücher sind Wegmarken, die oft einen großen synthetisierenden Aspekt haben: Mehrere Dinge werden zusammen gesehen und erhalten in dieser Zusammenschau eine Bedeutung.

Elisabeth Ruge in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung vom 10. November 2015

Hier geht es zum Interview in der FAZ >>>

Was Schönes auf dem deutschen Zeitschriftenmarkt: die 150. Ausgabe von "Das Plateau". Foto: (c) Valeat
Was Schönes auf dem deutschen Zeitschriftenmarkt: die 150. Ausgabe von „Das Plateau“. Foto: (c) Valeat

 

Unbekannt: Die Zeitschrift „Das Plateau“ – kommt aus dem Radius Verlag, mir völlig unbekannt. Eine Anzeige in der ZEIT fiel mir ins Auge: Die 150. Ausgabe von „Das Plateau“. Das sieht besonders aus; Probeabonnement bestellt.

Eine besondere Zeitschrift, wie Herausgeber Wolfgang Erk in seinem Editorial beschreibt:

Wäre man 1990 an einen Unternehmensberater herangetreten mit der Idee, eine Zeitschrift aus der Taufe zu heben, in der keine Werbung Platz finden sollte und deren Zentrum ein etwa zwanzigseitiger Textbeitrag und zeitgenössische Kunst, die weder gedeutet noch erklärt würde, stehen sollten, so hätte dieser Betrachter sicherlich entsetzt abgeraten. Zum Glück wurde nicht gefragt – und so können wir nun mit der 150sten Ausgabe einer ebensolchen Zeitschrift im bereits 26sten Jahrgang ein weiteres Jubiläum feiern.

Wolfgang Erk im Editorial „Das Plateau“, August 2015

 
Mich hat die schlichte Opulenz von „Das Plateau“ beeindruckt. Die Zeitschrift kommt mit unter 50 Seiten aus, aber diese Seiten sind wirkmächtig: große Schrift (mindestens eine 16-Punkt-Schrift, ohne Typometer) und handfest in hoher Papierqualität. Einfach schön anzufassen und anzuschauen.

Inhaltlich: Eine Kolumne von Asta Scheib, ein Auszug aus einem unveröffentlichten Roman von Ingo Schulze („Das abenteuerliche Leben des Peter Holtz“), ein Kunstbeitrag von Jochen Mühlenbrink („Badende – zwölf Aquarelle auf Passepartoutkarton), Gedichte von Elisabeth Plessen („Für C.“) und eine Rede von Peter Ruzicka („Ein Bürge für die Zukunft“).

Dass es auf dem deutschen Zeitschriftenmarkt so etwas Schönes gibt! „Das Plateau“ erscheint sechs Mal im Jahr und kostet 15 Euro.

Hier die Webseite von „Das Plateau“ >>>

 

Logo_dbp_14_RGB_webNur noch eine Woche: Am 6. Oktober 2014 verleiht der Börsenverein des Deutschen Buchhandels im Frankfurter Römer den Deutschen Buchpreis. Die Verleihung des mit insgesamt 35.000 Euro dotierten Deutschen Buchpreises ist der Auftakt der Frankfurter Buchmesse vom 8. Oktober bis zum 12. Oktober. Finnland ist 2014 Ehrengastland der Frankfurter Buchmesse. Spannung ist beim Deutschen Buchpreis angesagt, vor allem bei den vier Verlagen, zu denen die sechs Bücher der Shortlist gehören. Sie wurden aus der 20 Bücher umfassenden Longlist ausgewählt. Die siebenköpfige Jury des Deutschen Buchpreises wechselt jährlich und besteht diesmal aus Jens Bisky, Fritjof Klepp, Susanne Link, Manfred Papst, Wiebke Porombka und Annemarie Stoltenberg. Die hatten in den vergangenen Wochen viel zu lesen, mindestens 20 Bücher – und das neben ihrem normalen Job als Buchhändlerin, Literaturkritikerin oder Kulturredakteur.

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Jetzt haben die sieben Juroren noch sieben Tage Zeit, sechs von zwanzig Büchern zum zweiten Mal zu lesen. Mögen sie dabei ein gutes Gespür für erstklassige Literatur haben! Eines Tages, da würde ich mich nicht wundern, vielleicht im nächsten Jahr schon sitzt auch ein Blogger in der Jury des Deutschen Buchpreises.

Der Deutsche Buchpreis ist ein bedeutendes Marketinginstrument des Buchhandels. Schon Wochen vor der Preisverleihung fördert er den Verkauf von Büchern: Es gibt kaum eine Buchhandlung ohne Stapel von Büchern mit Aufklebern wie „Nominiert für den Deutschen Buchpreis 2014“ oder „Longlist Deutscher Buchpreis“. Kritiker werfen dem Deutschen Buchpreis vor, dass nicht das beste Buch, sondern das Buch mit dem besten Marketing gewönne.

Mehr bei Valeat zum Deutschen Buchpreis
Deutscher Buchpreis 2013
Deutscher Buchpreis 2012

Mehr bei Valeat zur Frankfurter Buchmesse:
Frankfurter Buchmesse 2013
Frankfurter Buchmesse 2012

 

"Die Literatur ist abhängig von Dummköpfen", sagt Eckhard Henscheid in der SZ. Foto: (c) Africa Studio - Fotolia.com
„Die Literatur ist abhängig von Dummköpfen“, sagt Eckhard Henscheid in der SZ. Foto: (c) Africa Studio – Fotolia.com

 

Ich will mich nicht abhängig machen von den Preisgremien. Das sind derartige Idioten- und Ignoranten Vereine, das stellt sich die andächtige Öffentlichkeit nicht annähernd vor! Zum Teil ehrgeizige Wichtigtuer, zum Teil Ahnungslose. Die Literatur ist abhängig von Dummköpfen. Mehr denn je. Und die entscheiden tatsächlich über die Schicksale der Nachwachsenden. Oft spielt die Qualität der Bücher überhaupt keine Rolle mehr, sondern nur die Wendigkeit der geldbeflissenen Autoren.

Eckhard Henscheid (Schriftsteller und Satiriker, Jahrgang 1941) in der Süddeutschen Zeitung vom 11. April 2014

Ich frage mich manchmal, ob wir Autoren uns nicht mehr verändert haben als die Leser – und dadurch vielleicht auch unser Bild von dem, was Literatur ist. Als ich anfing zu studieren, hatte ich das Gefühl, dass man als junger Autor überhaupt keine Chance hat, jemals einen Verlag zu finden. Ein Autor, das war damals jemand, der mindestens 50 ist, männlich und am besten schon tot. Dann hat sich die Verlagswelt plötzlich jüngeren Autoren geöffnet – vor allem durch das Phänomen der sogenannten Popliteratur. Damit wurde Geld verdient, und das hatte Konsequenzen: Mediale Präsenz, der Autor muss verhandeln, nimmt sich einen Agenten, solche Sachen.

Juli Zeh (Jahrgang 1974), Schriftstellerin, in einem Gespräch mit Michael Krüger, Geschäfsführer beim Hanser Verlag, Helge Malchow, Verleger bei Kiepenheuer & Witsch. Die Zeit, Nummer 7, 15. November 2012. Pflichtlektüre für Menschen, die mit Büchern zu tun haben.

Mehr dazu:
Über E-Books und das Lesen…
Über die Zukunft von Büchern

Und hier geht zu „Wie wollen wir lesen“ in Zeit online…

Dauernd wird irgendetwas neu erfunden, aber das Einzige, was bis jetzt nicht geändert werden kann, ist, dass sich unser Gehirn für eine Seite zwei Minuten Zeit nimmt. Mehr kann es nicht leisten. Wenn ich daneben noch Musik habe und ein Ballett auf dem Bildschirm sehe und möglicherweise eine Amazon-Empfehlung in bewegten Bildern, dann sind das alles nur Lügenmärchen von einer behaupteten Vielfalt. In Wahrheit ist die Konzentration auf den Text durch nichts anderes zu ersetzen. Das Internet täuscht eine Vielfalt vor, die es in Wirklichkeit gar nicht gibt. Verlage nutzen das Internet nur als Verkaufsplattform. Es hat sich keine Netzkultur entwickelt, eher eine Netzunkultur.

Michael Krüger (Jahrgang 1943), Geschäfsführer beim Hanser Verlag, in einem Gespräch mit Helge Malchow, Verleger bei Kiepenheuer & Witsch, und der Schriftstellerin Juli Zeh. Die Zeit, Nummer 7, 15. November 2012. Pflichtlektüre für Menschen, die mit Büchern zu tun haben.

Mehr dazu:
Über Autoren und Literatur
Über die Zukunft von Büchern

Und hier geht zu „Wie wollen wir lesen“ in Zeit online…

 

Wir erleben eine tief greifende Revolution – immerhin  das Ende des Gutenberg-Zeitalters. Aber darin liegen auch enorme Chancen. Wir müssen alles noch einmal erklären: Wie entsteht der Preis eines Buches? Was ist ein Verlag? Und muss es überhaupt Verlage geben? Was passiert in einem Buchverlag? Das ist ein enormer Gewinn an Transparenz.

Helge Malchow (Jahrgang 1950), Verleger bei Kiepenheuer & Witsch in einem Gespräch mit Michael Krüger, Geschäfsführer beim Hanser Verlag, und der Schriftstellerin Juli Zeh. Die Zeit, Nummer 7, 15. November 2012. Pflichtlektüre für Menschen, die mit Büchern zu tun haben.

Mehr dazu:
Über Autoren und Literatur
Über E-Books und das Lesen…

Und hier geht zu „Wie wollen wir lesen“ in Zeit online…