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Was NSA und Internetkonzerne wie Google oder Facebook betreiben, ist kein Datensammeln aus Spaß an der Freud. Auch hat es wenig mit dem zu tun, was Sie oder ich unter nationaler Sicherheit verstehen. Ziel des Spiels ist das Erreichen von Vorhersehbarkeit und damit Steuerbarkeit von menschlichem Verhalten im Ganzen. Das funktioniert heute schon erschreckend gut. Wer genügend Informationen über die Lebensführung eines Einzelnen miteinander verbindet und auswertet, kann mit erstaunlicher Trefferquote voraussehen, was die betreffende Person als Nächstes tun wird – ein Haus bauen, ein Kind zeugen, den Job wechseln, eine Reise machen. Bald wird das »Internet der Dinge« seine volle Wirkung entfalten. Dann wird Ihr Kühlschrank aufzeichnen, was Sie essen, und Ihr Auto, wohin Sie fahren. Ihre Armbanduhr wird Blutdruck, Kalorienverbrauch und Schlafphasen auswerten. Rauchmelder und Alarmanlage in Ihrem Haus werden sich merken, wann Sie wie viel Zeit in welchen Räumen verbringen. Welche Bücher Sie kaufen, mit wem Sie mailen oder telefonieren, für welche Filme, Musik oder politischen Themen Sie sich interessieren, ist ja sowieso schon lange bekannt.

Juli Zeh in einem „Offenen Brief an die Bundeskanzlerin“ – ZEIT vom 15. Mai 2014

FAZ 10.12.2013

Wir wollten den Aufruf und die Unterschriften ja an einem einzigen Tag veröffentlichen, deswegen mussten wir das im Verborgenen vorbereiten. Es war gar nicht möglich, auf flächendeckende Netzwerke zuzugreifen – die Gefahr eines Lecks war einfach zu groß. Wir haben erst befreundete Autoren gefragt und die gebeten, weitere Freunde zu fragen. Wir sind auch auf deutsche Verlage zugegangen, die internationale Autoren im Haus haben, darüber kamen Agenturen ins Spiel. Auch Übersetzer haben sehr geholfen. Und so kam der Schneeball ins Rollen.

Juli Zeh (Jahrgang 1974) im Interview mit der Frankfurter Allgemeinen Zeitung (FAZ) vom 10. Dezember 2013, in dem die Mitorganisatorin des Aufrufs „Die Demokratie verteidigen im digitalen Zeitalter“ über ihre Planungen dazu spricht. Die FAZ veröffentlichte am 10. Dezember 2013 zusammen mit 31 anderen Zeitungen weltweit den Aufruf „Die Demokratie verteidigen im digitalen Zeitalter“, den mehr als fünfhundert Autoren aus 82 Ländern unterzeichnet haben.

Der Aufruf ist auch im FAZ.net veröffentlicht: Die Demokratie verteidigen im digitalen Zeitalter

Ich frage mich manchmal, ob wir Autoren uns nicht mehr verändert haben als die Leser – und dadurch vielleicht auch unser Bild von dem, was Literatur ist. Als ich anfing zu studieren, hatte ich das Gefühl, dass man als junger Autor überhaupt keine Chance hat, jemals einen Verlag zu finden. Ein Autor, das war damals jemand, der mindestens 50 ist, männlich und am besten schon tot. Dann hat sich die Verlagswelt plötzlich jüngeren Autoren geöffnet – vor allem durch das Phänomen der sogenannten Popliteratur. Damit wurde Geld verdient, und das hatte Konsequenzen: Mediale Präsenz, der Autor muss verhandeln, nimmt sich einen Agenten, solche Sachen.

Juli Zeh (Jahrgang 1974), Schriftstellerin, in einem Gespräch mit Michael Krüger, Geschäfsführer beim Hanser Verlag, Helge Malchow, Verleger bei Kiepenheuer & Witsch. Die Zeit, Nummer 7, 15. November 2012. Pflichtlektüre für Menschen, die mit Büchern zu tun haben.

Mehr dazu:
Über E-Books und das Lesen…
Über die Zukunft von Büchern

Und hier geht zu „Wie wollen wir lesen“ in Zeit online…

Dauernd wird irgendetwas neu erfunden, aber das Einzige, was bis jetzt nicht geändert werden kann, ist, dass sich unser Gehirn für eine Seite zwei Minuten Zeit nimmt. Mehr kann es nicht leisten. Wenn ich daneben noch Musik habe und ein Ballett auf dem Bildschirm sehe und möglicherweise eine Amazon-Empfehlung in bewegten Bildern, dann sind das alles nur Lügenmärchen von einer behaupteten Vielfalt. In Wahrheit ist die Konzentration auf den Text durch nichts anderes zu ersetzen. Das Internet täuscht eine Vielfalt vor, die es in Wirklichkeit gar nicht gibt. Verlage nutzen das Internet nur als Verkaufsplattform. Es hat sich keine Netzkultur entwickelt, eher eine Netzunkultur.

Michael Krüger (Jahrgang 1943), Geschäfsführer beim Hanser Verlag, in einem Gespräch mit Helge Malchow, Verleger bei Kiepenheuer & Witsch, und der Schriftstellerin Juli Zeh. Die Zeit, Nummer 7, 15. November 2012. Pflichtlektüre für Menschen, die mit Büchern zu tun haben.

Mehr dazu:
Über Autoren und Literatur
Über die Zukunft von Büchern

Und hier geht zu „Wie wollen wir lesen“ in Zeit online…

 

Wir erleben eine tief greifende Revolution – immerhin  das Ende des Gutenberg-Zeitalters. Aber darin liegen auch enorme Chancen. Wir müssen alles noch einmal erklären: Wie entsteht der Preis eines Buches? Was ist ein Verlag? Und muss es überhaupt Verlage geben? Was passiert in einem Buchverlag? Das ist ein enormer Gewinn an Transparenz.

Helge Malchow (Jahrgang 1950), Verleger bei Kiepenheuer & Witsch in einem Gespräch mit Michael Krüger, Geschäfsführer beim Hanser Verlag, und der Schriftstellerin Juli Zeh. Die Zeit, Nummer 7, 15. November 2012. Pflichtlektüre für Menschen, die mit Büchern zu tun haben.

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Über Autoren und Literatur
Über E-Books und das Lesen…

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