Ich kann mich noch gut daran erinnern, dass am Morgen des Barbaratages am 4. Dezember immer eine kleine Süßigkeit vor der Kinderzimmertür lag. Eigentlich verschwenderisch, dachte ich, zwei Tage vor Nikolaus. Die wenigsten meiner Freunde kannten das Fest der heiligen Barbara. Doch ich konnte mich zweimal innerhalb kürzester Zeit freuen, dank meiner Mutter, die genau wusste, wie man uns Kinder für das Fest der heiligen Barbara wecken konnte.
Der eigentliche Barbarabrauch hat nichts mit Süßigkeiten zu tun: Schneiden Sie Kirschzweige am 4. Dezember und stellen Sie sie in eine Vase. Bis zum Heiligen Abend blühen diese Zweige. Dieser Brauch steht für Liebe und Wärme, für das Blühen des Lebens in der kalten Jahreszeit. Sind Sie ein junges Mädchen, können Sie jedem Zweig den Namen einer Verehrers zuweisen; wessen Zweig zuerst erblüht, der ist erste Wahl.

Den ursprünglich heidnischen Brauch hat die Kirche schon früh mit der heiligen Barbara verbunden. „Barbara“ heißt „die Ausländerin“. Das ist eine Frau, die aus einer fremden Welt kommt und ihren eigenen Weg gegen alle Widerstände geht. In der Legende wird die heilige Barbara von ihrem Vater enthauptet, weil sie sich weigert, seine heidnischen Götter anzubeten.
Anselm Grün, Mönch in der Benediktinerabtei Münsterschwarzach, hat in seinem Buch „Fünfzig Helfer in der Not“ auch über die heilige Barbara geschrieben: „Welche Lebensmuster halten Dich gefangen? Welche Vaterwunden hindern dich am Leben? Wo fühlst Du Dich eingesperrt in die Vorstellungen, die andere Menschen dir aufgedrängt haben? Trau deinem eigenen Weg. Brich mit Barbara aus aus dem Turm deiner alten Lebensmuster. Geh deinen Weg zu Freiheit und Leben.“ Wer mehr davon will, der lese Anselm Grün: Fünfzig Helfer in der Not. Freiburg 2002 oder schaue sich hier erst einmal um…