
Das Ziel der Finanzwirtschaft ist nicht eine Verbesserung von Lebensbedingungen des Einzelnen. Es geht nur darum, auf Kosten aller anderen Geld zu verdienen. Auf der einen Seite stehen wirklichkeitsfremde Renditeerwartungen, die nur durch Verarmung großer Teile der Gesellschaft zu erreichen sind. Einfache Jobs werden gestrichen, und gleichzeitig entstehen Bullshit-Jobs, die keiner braucht.
Von alleine regulieren sich die Finanzmärkte sicher nicht. Börsentransaktionssteuern und Vermögenssteuern wären erste Maßnahmen. Solange mit Geld mehr Geld verdient werden kann als mit Arbeit, wird das alles immer schlimmer. Wieso misst eine Gesellschaft, die für sich doch eine gewisse Vernunft in Anspruch nimmt, einem so irrationalen Produkt wie Geld dermaßen viel Bedeutung zu? Das habe ich nicht verstanden. Wenn man mal ein bestimmtes Vermögen erreicht hat, kann man gar nicht mehr arm werden. So viel kann man nicht ausgeben.
Harald Lesch, Professor für theoretische Astrophysik, im Interview mit der Süddeutschen Zeitung vom 30. Januar 2015



