Das ist genau der Weg, den wir einschlagen müssen. Wir brauchen eine Erziehung zur Staatsbürgerschaft, die die Vision einer besänftigten Menschheit verwirklicht: einer Menschheit, die nicht immer mehr will, sondern darum bemüht ist, ihre Lebensverhältnisse stabil zu halten. Die Werte der Demokratie sind in den letzten 300 Jahren zunehmend degeneriert und müssen wiederbelebt werden. Dazu habt ihr jungen Menschen viel bessere Möglichkeiten als wir vor 50 Jahren. Ihr mit euren kleinen Internets und euren kleinen Facebooks habt die Möglichkeiten, eine Konzeption des Menschen und der Gesellschaft zu entwerfen, die den heutigen Bedürfnissen und Herausforderungen entspricht.
(…) Wofür stand denn die Occupy-Bewegung? Gewöhnliche Bürger haben sich zusammengeschlossen und gesagt: Man hört uns nicht zu – aber wir fordern, dass man uns zuhört. Das scheint mir ein guter Anfang zu sein. Es kann Jahrzehnte dauern, bis die Forderungen komplett erfüllt werden. Aber sowohl Occupy als auch die Arabische Revolution haben mir bei allen Rückschritten gezeigt, dass ein Wille in der Gesellschaft besteht, Wege aus der jetzigen Sackgasse zu finden.
Stéphane Hessel (Jahrgang 1917) in einem Interview mit Hanna Klimpe, Financial Times Deutschland, 26. Oktober 2012, S. 27 und Financial Times Deutschland online, 28. Oktober 2012

Valeat über Stéphane Hessel: Neues schaffen, heißt Widerstand leisten
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