
Schlagwort: Museum
„Straßburg ist anders“
Colmar ist eine schlimme Stadt. Die Menschen dort sind fanatische Patrioten. Es gab zum Beispiel mal eine Goethestraße. Und was haben die gemacht? Eine Petition haben sie gemacht, weil Goethe deutsch war, und einen deutschen Straßennamen wollten die nicht. Wenn die Colmarer etwas essen gehen, dann schlucken die immer zuerst mal eine Trikolore, damit sie nur ja französisch verdauen. Straßburg ist anders. Es ist europäisch. Die hatten die Idee mit dem Museum.
Tomi Ungerer in einem Interview mit der Süddeutschen Zeitung vom 31. Oktober/1. November 2015
…und das ist die Homepage des Museums, von dem Tomi Ungerer im Interview spricht. Das ist sein Museum, dessen Werke auch online zu betrachten sind:

Wenders photographiert
Mit Fotografie habe ich den Namen Wim Wenders nicht verbunden, bis ich in der Zeitung einen Hinweis auf eine Ausstellung mit dem merkwürdigen Namen „4 REAL & TRUE 2“ gefunden haben – „WIM WENDERS. Landschaften. Photographien. 18.04. – 16.08.2015“. Wim Wenders fotografiert seit Jahrzehnten schon – wusste ich nicht.
Die photographische Arbeit ist die andere Hälfte meines Lebens. Wim Wenders
Die meisten kennen Wenders als Regisseur von Kinofilmen wie „Das Salz der Erde“, „Pina“, „Buena Vista Social Club“, „Paris, Texas“ oder – wie ich vor allem – „Der Himmel über Berlin“, den ich wohl ein halbes Dutzend Mal gesehen habe, nicht nur wegen der Dichtungen von Peter Handke und der hochkarätigen Besetzung mit Otto Sander, Bruno Ganz, Solveig Dommartin, Curt Bois – und Peter Falk. Filme von Wim Wenders stehen für höchste cineastische Qualität.
Seine Fotografien sind unbekannt. Zu Wenders‘ 70. Geburtstag in diesem Jahr bietet seine Geburtsstadt Düsseldorf eine Retrospektive seines fotografischen Werks. Eine Reise zu dieser Premiere ist noch nicht zu spät. Zwar ist offizielles Ausstellungsende der 16. August, aber die Wenders-Fotoschau im Kunstpalast ist bis zum 30. August 2015 verlängert worden.
Valeat war schon in Düsseldorf: 80 teilweise großformatige Fotografien und Landschaftsaufnahmen von Wim Wenders zeigt die Ausstellung, die von Beat Wismer, Generaldirektor des Museums Kunstpalast, zusammengestellt wurde, „in enger Zusammenarbeit mit Wim Wenders“, wie es im Faltblatt zur Ausstellung heißt.

Ohne Stativ und Kunstlicht fotografiert Wenders; einzig das natürliche Licht führt zusammen mit Wenders Regie. In ihrer lichten, nackten Einzigartigkeit inszenieren sich die Motive aus sich selbst heraus und entfalten so ihre schlichte und malerische Schönheit: Ein Wald in Brandenburg, ein „bestatteter“ DDR-Trabbi in einem Vorgarten, eine Open-Air-Bühne in Palermo, die Aufräumarbeiten im Ground Zero zwei Monate nach 9/11, weite Landschaften, Armenien, Australien, USA.
Wenders ist viel gereist für die Fotografien, seine Panoramakamera im Schlepp, auf den richtigen Moment für den Auslöser wartend, wie er im hörenswerten Audioguide sagt. Noch ein sprachlicher Schnappschuss zum Schluss: Wenders fotografiert nicht, Wenders photographiert – diese Schreibweise des Wortes zeugt von Wenders‘ Internationalität, sie ist aber vor allem aber Programm seiner Fotokunst: mit Licht (griech.: phos) malen (griech: graphein).
Noch bis zum 30. August 2015 (außer montags)
Öffnungszeiten: Dienstag bis Sonntag von 11:00 bis 18:00 Uhr, Donnerstag von 11:00 bis 21:00 Uhr
„4 REAL & TRUE 2“ – „WIM WENDERS. Landschaften. Photographien.“
Museum Kunstpalast
Kulturzentrum Ehrenhof
Ehrenhof 4-5
40479 Düsseldorf
Eintritt: 12 Euro, Audioguide: 3 Euro
Bloggosphäre
Die dicke Mittelschicht
Wer besucht Gymnasien und Universitäten? Sehr oft, viel öfter als noch vor 30 oder 40 Jahren, sind es die Kinder der Mittelschicht. Ein durchschnittlicher Studienplatz an einer Universität kostet den Staat rund 600 Euro im Monat. Wer geht in staatlich bezuschusste Theater, in Museen, Galerien, Opernhäuser? Würde man all die indirekten Zahlungen dazuzählen, sähe man, wie sehr der Staat die Mittelschicht verwöhnt.
Sollte wieder einmal ein Buch über sie erscheinen, dann müsste im Klappentext stehen: »Deutschlands dicke Mitte. Sie gibt dem Staat viel, holt sich von ihm alles unauffällig zurück, lässt sich verhätscheln und beglücken – doch sie hört nicht auf zu jammern.« Aber wer will sich schon die eigenen Lebenslügen vorhalten lassen?
Stefan Willeke im Titelthema „Die Lüge von der armen Mittelschicht“, Zeit vom 5. Februar 2015

Kunstsammler

Man muss natürlich wissen: Wonach schaue ich eigentlich? Und viele Menschen brauchen eben Sicherheit oder die Bestätigung durch andere Leute. Ich bin oft gefragt worden, ob ich andere Sammler beraten könnte. Da habe ich gesagt: Ich kann ihr Leben nicht leben. Bei dem Umgang mit der Kunst geht es doch darum, dieses unsichere Terrain zu betreten, das die eigene Denkmöglichkeit neu kalibriert. Darum geht’s doch: Felder zu betreten, wo ich vorher gar nicht wüsste, dass da ein Feld sein könnte.
Wilhelm Schürmann, Kunstsammler, in monopol Rheinland 2014
Kolumba Köln bekommt Krone

Das erzbischöfliche Museum Kolumba in Köln ist „Museum des Jahres 2013“. Die Auszeichnung erhielt das Museum von der AICA, dem Internationalen Kunstkritikerverband. In der Urteilsbegründung heißt es, dass das Kolumba Museum sich durch eine „hervorragende Architektur“ und durch eine „qualitätvolle Sammlung, die den Bogen zwischen alter und zeitgenössischer Kunst spannt“ auszeichne. Außerdem präsentiere das Museum Künstler, „die gemeinhin wenig Medieninteresse gewinnen“.
Kolumba: Kolumbastraße 4, 50667 Köln – direkt in der City zwischen Hohe Straße und Nord-Süd-Fahrt (Offenbachplatz) | Eintritt: 5 Euro | Öffnungszeiten Kolumba >>>
