Man kann sich auf zwei Wegen politisch für die Gerechtigkeit einsetzen: man versucht, die bestehenden Institutionen zu reformieren – das ist der Weg, den ich gehe. Oder man versucht, den Schaden, den die Institutionen angerichtet haben, abzumildern. Dazu gehören Organisationen wie Ärzte ohne Grenzen. Ein Burn-Out ist beim ersten Weg besonders wahrscheinlich. Es ist deprimierend, sich mit Politikerin herumzuschlagen, denen es wirklich scheißegal ist, was bei den Armen passiert – oder die es nur interessiert, wenn es gerade fotogen ist. Entwicklungshelfer hingegen gehen immer wieder in die Länder, weil sie die Erfolge sehen. Es sind zwar immer noch unendlich viele Menschen arm, aber in diesem einen Dorf geht es bergauf.

Thomas Pogge (Jahrgang 1953) im neuen Magazin „The Germans“, Ausgabe 2, Januar/Februar 2013

Der Begriff „helfen“ ist schon irreführend. Wenn ich ein Kind überfahren habe und bringe es ins Krankenhaus, wäre es schief zu sagen, ich helfe ihm. Ich versuche sicherzustellen, dass der Schaden, den das Kind durch meine fahrlässige Fahrweise erlitten hat, so gering wie möglich ausfällt. So sollten wir es auch sehen: Wir helfen nicht den Bewohnern der armen Weltregionen, wir machen erst einmal den Schaden wieder gut. Wenn wir unseren Teil gut gemacht haben und dann noch weitermachen, erst dann kann man von „Hilfe“ sprechen.

Thomas Pogge (Jahrgang 1953) im neuen Magazin „The Germans“, Ausgabe 2, Januar/Februar 2013