"Der Bloggerismus ist also eindeutig die tollste Form des Journalismus." sagt Berthold Kohler augenzwinkernd in seiner Glosse "Fraktur". Bald werden Blogwarte durch die digitalen Lande ziehen, um die richtige Gesinnung in der Bloggosphäre sicherzustellen und um zum großen Shitstorm zu blasen, wenn Meinungen zu unbequem werden.
„Der Bloggerismus ist also eindeutig die tollste Form des Journalismus.“ sagt Berthold Kohler augenzwinkernd in seiner Glosse „Fraktur“. Bald werden Blogwarte durch die digitalen Lande ziehen, um die richtige Gesinnung in der Bloggosphäre sicherzustellen und um zum großen Shitstorm zu blasen, wenn Meinungen zu unbequem werden.

 

Der Bloggerismus ist also eindeutig die tollste Form des Journalismus. Es kann somit gar nicht mehr lange dauern, bis die Liste der beliebtesten Berufe in Deutschland einen neuen Spitzenreiter hat: den Blogwart. Er steht für eine Macht, mit der sich niemand anlegen will, wovor mancher Blogger sogar ganz ausdrücklich warnt. Wir schreiben daher hier auch nicht, woran uns das erinnert. Sonst müssten am Ende auch noch wir die Pressefreiheit für uns reklamieren.

Berthold Kohler in „Fraktur“, der Sprachglosse der Frankfurter Allgemeinen Zeitung, die sich aktuell sehr lesenswert mit dem Verhältnis zwischen Journalisten und Bloggern beschäftigt.

http://www.faz.net/aktuell/politik/fraktur/fraktur-von-berthold-kohler-ueber-journalisten-und-blogger-13738321.html

Sprachlich bleibt er dabei ganz auf dem Niveau seines Gegenstandes. Eine erfolgversprechende Schreibweise, weil das kleinbürgerliche Selbstbewusstsein der Zielgruppe solcher Literatur auktoriale Arroganz gegenüber Figuren sofort wittern und heftig ablehnen würde. Thomas Mann etwa bekäme heute keinen Bestseller hin und zöge sicher manchen Shitstorm auf sich. Verstanden fühlt man sich dagegen im Lebenshilfe-Jargon.

Marie Schmidt in einer Rezension über den neuen Roman „Gegenspiel“ von Stephan Thome in der Zeit von 15. Januar 2015.

Im Trend: Achtsamkeit und Gentrifizierung. Grafik: (c) Valeat
Im Trend: Achtsamkeit und Gentrifizierung. Grafik: (c) Valeat

 

Aus dem Nichts tauchen neue Wörter auf. Plötzlich sind sie da und jeder verwendet sie. Trendwörter verraten viel über den Zustand oder die Befindlichkeit einer Gesellschaft. „Befindlichkeit“ ist auch so ein Trendwort. Oder „Expertise“ oder „Entschleunigung“ oder „chillen“. Da gibt es Trendwörter, die aufgrund einer veränderter Lebenswelt entstehen: „Big Data“ oder „Shitstorm“ sind sprachliche Neuschöpfungen für Phänomene, die es vor der Erfindung des Internets noch nicht gegeben hat. Andere Trendwörter entstehen anscheinend aus dem Nichts.

Zwei neue Trendwörter sind mir jüngst aufgefallen. Das eine ist „Gentrifizierung“, ein Fachwort, das aus der Stadtsoziologie kommt. Wer’s noch nicht gehört hat: Gentrifizierung meint die Veränderung in Wohnvierteln aufgrund sozioökonomischer Unterschiede. Um es deutlich zu sagen: Die Armen fliegen aus ihren billigen Wohnungen raus und die Reichen ziehen in fein sanierte Apartments ein. Berlin-Kreuzberg oder Köln-Ehrenfeld sind Stadtviertel, in deren Zusammenhang man unser Trendwort gerne verwendet. Manchmal spricht man in solchen Fällen auch von „Yuppisierung“ – ein Wort, das neu ist, aber nicht im Trend liegt (3.280 Fundstellen bei Google, 459.000 hingegen für „Gentrifizierung“).

Das andere Trendwort ist mir seit einem halben Jahr höchstens bekannt. Es heißt „Achtsamkeit“. Das normale Wort „Achtsamkeit“ kenne ich natürlich, neu hingegen ist das Trendwort. Was versteht der Trendmund unter „Achtsamkeit“? Nähern wir uns an, über ein Buch selbstredend: „Das Einmaleins der Achtsamkeit“ ist ein Buch, das man sich sogar im Online-Shop von Lidl bestellen kannst. Untertitel des Buches: „Vom sorgsamen Umgang mit alltäglichen Gefühlen“. Es geht also darum, dass man auf seine Gefühle hört. Im Zusammenhang mit „Gesundheitsmanagement“ ist mir das neue Trendwort „Achtsamkeit“ auch schon einmal begegnet: den eigenen Körper bewusst wahrnehmen. Achtsam leben heißt: gesund und in Einklang mit sich selbst leben.

Trendwörter spiegeln die Wirklichkeit. Vielleicht fallen Euch auch noch einige Trendwörter ein, die Ihr liebt oder die Euch nerven. Anregungen bieten die Veröffentlichungen der Gesellschaft für deutsche Sprache zum Wort des Jahres oder auch die des Langenscheidt-Verlags zum Jugendwort des Jahres.

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