
Was die Leute nur immer mit der Unsterblichkeit und mit der Nachwelt haben! Wer in Breslau wohnt, kauft sich seine Stiefel nicht Klondyke – Breslau hat selber Schuhgeschäfte. Jede Zeit deckt ihren Alltagsbedarf bei sich und nicht bei vergangenen Epochen. Das Jahr 2114 wird seine Künstler, Schwindler, Schuster und Politiker haben – es braucht die unsern nicht. Es wird auf manche zurückgreifen, aber nur auf wenige und auch die werden nicht allein nach ihrer Größe ausgewählt, sondern nach den Bedürfnissen der Zeit. Wie machen wir es denn? Wir machen es genau so.
Kurt Tucholsky (1890 bis 1935)
Sehr schönes Zitat.
Aber manchmal, ganz im Stillen, wünscht man sich doch, dass es auch Menschen, außerhalb der direkten Generation nach uns, gibt, die sich an uns erinnern und von unserem Leben erzählen. Bedarf es dazu nicht aber ein Leben, von dem es etwas zu erzählen gibt? Ein wenig kleiner subjektiver familiärer Ruhm, darf er dann fehlen?
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Das ist in der Tat eine Sehnsucht. Für Tucholsky, wenn ich ihn richtig verstehe, lohnt es aber nicht, für den eigenen Ruhm in der Nachwelt zu leben, weil sich die Nachgeborenen nach ihren eigenen Maßstäben der Vergangenheit bedienen – und diese Maßstäbe kennen wir heute noch nicht. Herzlichen Dank für Deinen Kommentar, der mich zum Nachdenken angeregt hat.
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