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Trumps Aussagen sind so flüchtig wie die Posts in der App Snapchat, meint David Brooks

David Brooks, kluger konservativer Kommentator der New York Times, hat jüngst bemerkt, man dürfe Trumps Äußerungen nicht lesen wie die Äußerungen eines designierten Präsidenten. „Sein Modus ist nicht: Entscheidung, Durchführung, Konsequenzen. Seine Äußerungen sollten vermutlich weniger wie politische Erklärungen behandelt werden und eher wie Snapchat: Sie existieren, um in diesem Moment Aufmerksamkeit zu generieren, doch dann verschwinden sie.

Bertram Eisenhauer in der Frankfurter Allgemeine Woche vom 20. Januar 2017

Überhaupt: Wer sich das Grauen im Netz antun möchte, insbesondere auf Facebook, wo zum Beispiel Straftaten von Flüchtlingen angeprangert werden, die nie stattgefunden haben, der bekommt leicht eine Vorstellung davon, wie es im späten Mittelalter zu den Hexenverfolgungen kam. Leider haben sich die Menschen in den vergangenen 500 Jahren wohl doch nicht so grundlegend verändert.

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Giovanni di Lorenzo im Leitartikel „Die sprachlose Mitte“, Zeit vom 11. Februar 2016

 

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Terrorismus-Experte Joachim Krause kritisiert in einem Interview mit dem Deutschlandfunk (DLF, 23.07.2016) die mediale Hysterie angesichts des Amoklaufs von München: ARD und ZDF hatten am Abend nichts zu berichten und spekulierten munter drauflos; bei Facebook und Twitter gab es Falschmeldungen.

Hier geht es zum Interview auf der Deutschlandfunk-Seite >>>

Twitter wird 10:  "Just setting up my twttr" - das ist der erste Tweet, den der Student und Twitter-Gründer Jack Dorsey am 21. März 2006 um zehn vor eins Ortszeit in San Franciso tweetete.
Twitter wird 10: „Just setting up my twttr“ – das ist der erste Tweet, den der Student und Twitter-Gründer Jack Dorsey am 21. März 2006 um zehn vor eins Ortszeit in San Franciso tweetete.

10 Jahre Twitter am 21. März 2016: Die ZEIT spendiert in ihrer Ausgabe 13/2016 dem Kurznachrichtendienst Twitter eine kongeniale Infografik: Nora Coenenberg (Illustration) und Sven Stillich (Recherche) stellen 10 Jahre Twitter von 2006 bis 2016 in "140 kurzen Häppchen" dar. Auf zum Zeitschriftenladen!

10 Jahre Twitter am 21. März 2016: Infografik von Nora Coenenberg (Illustration) und Sven Stillich (Recherche). ZEIT 13/2016 vom 17. März 2016.

Steckte noch in meinen „Entwürfen“ und ich veröffentliche das besser jetzt und spät als nie. Wenn Keen mit seinen Thesen zum Internet recht hat, sitzen wir Blogger hier auf einer Insel der Seligen. Dennoch sind seine Aussagen zu Mobbing und zur anonymen Häme im Netz nicht ganz unbegründet: Wie sozial sind die sozialen Netzwerke?

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Praktisch ist Twitter, wie das gesamte Netz, Schauplatz von Mobbing und Hetzkampagnen, regelrechter Onlinepogrome, durch die Menschen und Gruppen aus einer Gemeinschaft gedrängt werden.
 
Das heißt: Die Gemeinschaft im Netz ist reine Einbildung. Die sogenannten sozialen Netzwerke sind absolut asozial.

Andrew Keen (Unternehmer und Autor, Jahrgang 1960) in einem Interview mit der Süddeutschen Zeitung, 21./22. Februar 2015

Mehr zum Interview bei Valeat >>>

Das Internet hat eine Kultur geschaffen, in der man Rechte verlangt, aber keine Pflichten übernimmt. Du nimmst, aber du gibst nichts. Das Internet ist die Plattform, von der aus wir der Welt unsere Geschichte erzählen. Die Geschichte anderer wollen wir nicht hören. Politisch ist das größte Problem genau diese Verantwortungslosigkeit. Das Internet wird uns präsentiert, als sei es wundersam vom Himmel gefallen, um uns allen zu dienen. Die Folge? Der Konsument hat den Bürger ersetzt. Alles dreht sich darum, was uns zusteht, was wir wollen, wie wir es kriegen. Und zwar so schnell wie möglich.

Nein, es passt uns absolut nicht, was Andrew Keen über das Internet sagt, und es tut uns Online-Junkies schon ein bisschen weh, wie respektlos er mit unseren Heiligtümern umgeht.

In einem Interview, das Laura Hertkemper und Joachim Käppner mit Andrew Kern führte (Süddeutsche Zeitung, 21./22.02.2015), schießt er eine beispiellose Kanonade ab – gegen Twitter, Instagramm, Facebook & Co.

Twitter sei voll von „selbstreferentiellen Narzissmus“ und Facebook die „gruseligste aller Firmen im Netz“. Seine Hauptthesen aus seinem jüngst in Deutschland erschienenen Buch „Das digitale Debakel“ sind alles andere als appetitlich für die Cyber-Community:

  • Die digitale Revolution lässt die Schere zwischen Arm und Reich auseinander gehen; die Mittelschicht verschwindet – es profitieren vor allem „junge, weiße Männer, die im Silicon Valley sitzen, Milliarden verdienen und sich die Hände reiben“.
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  • Internetfirmen verkaufen gesammelte Daten weiter: Die willenlose Masse vor den Bildschirmen wird im Internet zum Produkt für das Gewinnstreben profitsüchtiger Mega-Unternehmen.
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  • Das Internet vernichtet Arbeitsplätze. Beispiel Kodak: Der Fotografieausrüster hatte einst 145.000 Mitarbeiter. Durch die digitale Fotografie und das Teilen von Fotos im Internet, zum Beispiel bei Instagramm, sei die Mitarbeiterzahl heute auf weniger als ein Zehntel geschrumpft, während Instagramm im Jahr 2012 „gerade mal ein Dutzend Mitarbeiter“ gehabt habe.
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    Wie desillusionierend für uns, die wir im Internet und in den sozialen Netzwerken neue Chancen für Kommunikation und Demokratie gesehen haben, und wieder wettert Keen im Interview mit der Süddeutschen Zeitung gegen Twitter und das Internet im Allgemeinen:

    Praktisch ist Twitter, wie das gesamte Netz, Schauplatz von Mobbing und Hetzkampagnen, regelrechter Onlinepogrome, durch die Menschen und Gruppen aus einer Gemeinschaft gedrängt werden. Das heißt: Die Gemeinschaft im Netz ist reine Einbildung. Die sogenannten sozialen Netzwerke sind absolut asozial.

    Bei aller heftiger Kritik lehnt Andrew Keen das Internet an sich nicht ab; er fordert vielmehr klare Online-Regeln: die Einschränkung der Macht der Internetkonzerne, Datenschutzgesetze und das Verbot der Anonymität bei der Meinungsäußerung im Internet.

    Im Kern wendet sich Keen gegen zwei Gruppen: gegen die Internetkonzerne, die die Menschen für ihre eigenen Profitzwecke benutzen, und gegen die Masse der Internetnutzer, die auf flachstem Niveau sich selbst darstellen, hemmungslos verallgemeinern und dabei kein Pardon gegenüber Minderheiten und Schwachen kennen.

    Andrew Keen fordert ein humanes Internet.

    Informationsschwemme: Uns fehlt der kognitive Mechanismus, Wichtiges von Unwichtigem zu trennen.
    Uns fehlt der kognitive Mechanismus, Wichtiges von Unwichtigem zu trennen.

     

    Die Information ist zu einer Art Abfall geworden. Sie trifft uns wahllos, richtet sich an niemand Bestimmten und hat sich von jeglicher Nützlichkeit gelöst; wir werden von Information überschwemmt, sind nicht mehr imstande, sie zu beherrschen, wissen nicht, was wir mit ihr tun sollen. Und zwar deshalb nicht, weil wir keine kohärente Vorstellung von uns selbst, von unserem Universum und von unserer Beziehung zueinander und zu unserer Welt besitzen. Wir wissen nicht mehr, woher wir kommen und wohin wir gehen und warum. […] Unsere Abwehrmechanismen gegen die Informationsschwemme sind zusammengebrochen; unser Immunsystem gegen Informationen funktioniert nicht mehr.

    Neil Postman (1931 – 2003) aus „Neil Postman: Wir informieren uns zu Tode“

    Das größte Problem für unsere Gesellschaft sind nicht die Daten selbst, das größte Problem sind die Arbeitsplätze, die durch die technische Revolution wegrationalisiert werden. Mit 3-D-Druckern und der Hochtechnisierung in Betrieben treten wir wahrscheinlich in ein Zeitalter der Hyperarbeitslosigkeit ein.

    Zerstört das Internet Arbeitsplätze?  Foto: © Frank Peters - Fotolia.com
    Zerstört das Internet Arbeitsplätze? Foto: © Frank Peters – Fotolia.com
    Schauen Sie sich an, wie sich beispielsweise der Fotomarkt entwickelt hat: Die Firma Kodak hatte in den USA einst hunderttausend Angestellte, beim Netzfotodienst Instagram arbeiteten 13 Leute, als Facebook ihn 2012 kaufte. Das Gleiche passiert in der Musikindustrie, im Journalismus, auf dem Buchmarkt. So, wie sich die Digitalisierung bislang entwickelt hat, zerstört sie die Mittelschicht unserer Gesellschaft. […]

    Wir brauchen neue Ideen. Ich habe in meinem Buch „Wem gehört die Zukunft?“ eine skizziert. Wir könnten ein weltweites Mikrobezahlsystem aufbauen, von dem nicht nur die wenigen großen Firmen profitieren, sondern jeder Nutzer, der wertvolle Inhalte bietet. Denn das ist doch die eigentliche Krux: Facebook, Google, Twitter leben nur von ihren Nutzern, die Nutzer profitieren aber nicht.

    Jaron Lanier (Jahrgang 1960) im Interview mit der Zeit vom 13. Februar 2014

    Ein weiteres großes Problem sind die sozialen Netzwerke, wie Facebook und Twitter. Sie haben sich, wie Julian Assange sagt, zu Spionage-Maschinen entwickelt für Geheimdienste und Polizei. Facebook eignet sich hervorragend für das Profiling, weil damit hochsensible Daten über die Persönlichkeit und politischen Meinungen der Nutzer verfügbar sind. Screenshot Startseite FacebookSo erreicht die Menge der von Facebook gespeicherten Informationen über einen einzigen User nach wenigen Jahren Mitgliedschaft durchaus schon einmal 800 Seiten. Die Nutzung von Mobiltelefonen hat rapide zugekommen. Somit gibt es mehr verwertbare Verbindungsdaten. Außerdem senden die auf den Smartphones installierten Apps laufend primär für Werbemaßnahmen verwendete Daten der Besitzer von deren Telefonen an die Hersteller der Apps.

    Pär Ström (Jahrgang 1959) im Interview mit dem Nachrichtenmagazin Hintergrund online, 9. Januar 2014

    Hier geht es zum Interview >>>

    Twitter und Telekom arbeiten von 2014 an zusammen.
    Twitter und Telekom arbeiten von 2014 an zusammen. Bild: Aussschnitt der Anmeldemaske von Twitter.

     

    Twitter wird bald ein bisschen magentarot oder die Deutsche Telekom twitterblau: Wie beide Unternehmen am Donnerstag mitteilten, sollen Telekom-Kunden von Frühjahr 2014 an leichter auf die Inhalte des Kurznachrichtendienstes Twitter zugreifen können. Dafür bietet die Telekom für Android-Smartphones eine Anwendung an, mit dem die Kunden „einen direkten Blick auf das aktuelle Geschehen“ bei Twitter erhalten. Telekom-Chef René Obermann: „Durch die Zusammenarbeit mit Twitter können wir künftig noch mehr Menschen noch besser erreichen.“

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    Twitter und Kaffeehaus

     

     Twitter ist dort, wo du bist: Wie lange noch? Foto: Screenshot Twitter-Startbildschirm.

    Es ist die schizophrene Logik des Silicon Valley: Aus einer genauso simplen wie brillanten Idee wird ein Unternehmen. Das Unternehmen lässt sich von venture capitalists finanzieren, es wächst und wird zum Werkzeug von Millionen. In dem Moment, in dem die Gesellschaft es sich als unverzichtbaren Dienst angeeignet, wird der Sinn des Unternehmens umgedeutet: Nicht mehr der Dienst steht im Mittelpunkt, sondern die Rendite.
    In diesem Sinne hat der Börsengang Twitters nur ein Gutes: Der zu erwartenden Werbeschwall wird die Nutzer dazu zwingen, nach dem nächsten großen Ding zu suchen, das das gesellschaftliche Miteinander-im-Gespräch-sein revolutioniert. Einfach nur im Twitter-Wohnzimmer entspannen und es sich gemütlich einrichten wird irgendwann zu nervig und zu öde werden. Siehe Facebook.

    Kilian Trotier (Jahrgang 1983) zum Börsengang des Kurznachrichtendienstes Twitter; ZEIT vom 7. November 2013

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    Startseite von Twitter (Ausschnitt)
    Startseite von Twitter (Ausschnitt)

    Mich erinnert die Debatte um das Abhören an die DDR und die Stasi. Ich dachte immer, ich arbeite an Stoffen, die hoffnungslos von gestern sind. Jetzt kommt vieles in verändertem Gewand wieder. Zuletzt kam mir der Gedanke bei einem Fernsehfilm über die Türkei. Da gab es die junge Intellektuelle, den angestellten Professor, angepasst, vorsichtig, lavierend, die Intellektuelle, etwas blauäugig. Genau wie bei uns damals, genau die gleichen ewigen Figuren. Facebook, Twitter, Internet – all das scheint erst so wunderbar, und plötzlich gibt es da diesen dunklen Aspekt. Plötzlich zeigt mir Amazon, was andere bestellt haben. Plötzlich beschleicht mich das Gefühl: Was die Stasi noch unter fürchterlichem Aufwand betrieb, hat man heute mit 15 Mausklicks beisammen.

    Uwe Tellkamp (Jahrgang 1968), Schriftsteller, in der Zeit vom 4. Juli 2013