Lesen

Lesen. Frankfurter Buchmesse 2013. Foto: (c) Valeat
Lesen. Frankfurter Buchmesse 2013. Foto: (c) Valeat

Manchmal, o glücklicher Augenblick, bist du in ein Buch so vertieft, dass du in ihm versinkst – du bist gar nicht mehr da. Herz und Lunge arbeiten, dein Körper verrichtet gleichmäßig seine innere Fabrikarbeit, – du fühlst ihn nicht. Du fühlst dich nicht. Nichts weißt du von der Welt um dich herum, du hörst nichts, du siehst nichts, du liest. Du bist im Banne eines Buches.

Kurt Tucholsky (1890 – 1935)

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Tucholsky und die Schriftsteller
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13 Comments

  1. Aus meinen Randbemerkungen: (http://rkuhnke.tumblr.com/page/2)

    Es gibt Menschen, die “… erleben Bücher als Zumutungen; im Grunde können sie Leute, die gerne lesen, nicht verstehen. Sie mißtrauen ihnen. Die Welt der Bücher ist für sie eine Verschwörung, die dem Ziel dient, ihnen ein schlechtes Gewissen zu verschaffen. Auf diese Weise entwickeln sie eine regelrechte Abneigung gegen Bücher, und da sie auch ihre Fachbücher ungern lesen, geraten sie im Beruf bald ins Hintertreffen. Sie entwickeln dann einen Haß auf theorielastige Besserwisser und singen das Hohelied der Praxis. Da sie nicht ahnen, daß durch die Leseabstinenz und Textfeindlichkeit auch der Stil ihrer mündlichen Kommunikation gelitten hat, verstehen sie nicht, daß ihre Erfahrungen so wenig Anerkennung finden, und nach und nach interpretieren sie jeden Versuch eines anderen, einen komplexen Gedankengang zu entfalten und angemessen auszudrücken, als einen Anschlag auf ihr Selbstwertgefühl.”
    Als die Nazis Bücher verbrannt haben, haben sie nicht nur symbolisch den politischen Gegner verbrannt (sozusagen als Vorübung für die tatsächliche physische Vernichtung), sondern an die Gefühle der eben geschilderten Masse appelliert – das war der eigentliche Zweck der Bücherverbrennung: politische Unterstützung durch dumpfe Bildungsfeindlichkeit.
    (Die Beschreibung der Nichtleser stammt von Dietrich Schwanitz)

    P. S.: Es ist heute nicht mehr selbstverständlich, daß man Tucholsky kennt. Schön.

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  2. Wieder eine perle übers lesen, danke! Ich schätze deine beiträge, als bibliothekar im ruhestand (ich lese viel mehr als früher) fände ich es gut, zu solchen zitaten die quelle zu haben. Oft gibt der kontext noch ganz andere oder weitere perspektiven. Gruss

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    1. Das freut mich sehr. Sehr gerne erhältst Du die Fundstelle; beim Blättern danach habe wieder neue Perlen für Valeat entdeckt. Jetzt aber zum konkreten Zitat:

      Das Zitat stammt aus „Moment beim Lesen“. Kurt Tucholsky hat es unter dem Pseudonym Kaspar Hauser in der Weltbühne am 12.04.1932 veröffentlicht. Ich habe es aus Kurt Tucholsky: Gesammelte Werke, Band 10. Reinbek bei Hamburg 1985, S. 64.

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  3. Der Herr Tucholsky, wunderbare und wahre Worte hat er da gefunden. Lesen entführt in eine andere Welt. Das hatte mir meine Mutter schon prophezeit, vielmehr die Hoffnung beschrieben. „Warte doch, sobald du lesen kannst, wird deine Welt viel größer“ Und so war es. Und so ist es.
    Und ich freue mich, dass das Lesen (von Büchern) nach wie vor nicht tot zu kriegen ist. Allerdings wird es zum ausgeprägten Lesen wohl erst ab den mittleren Jahren. Zumindest nehme ich das so wahr, ich arbeite im Buchhandel. Und dort sind die das Gro der Kunden eindeutig mindestens über 30, vorrangig zwischen 50 und 70 anzusiedeln.

    Gruß

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