Gerade die aktuelle „Zeit“ durchgeblättert. Ihr wisst, die Wochenzeitung aus Hamburg.

Nicht bemerkt, dass ich dieselbe Zeitung bereits am Donnerstag schon einmal durchgeblättert hatte.

Fiel mir erst auf Seite 40 auf.

Auf Seite 40 unten gibt es eine Anzeige: „Willemsen legt auf“. Hatte mich gefragt, wer neun CDs gebrauchen kann (und es gibt noch eine Bonus-CD drauf), auch wenn es um den genialen Roger Willemsen geht.

Das war die Frage von Donnerstag, daran habe ich mich erinnnert. Die Frage, die jetzt zur Sonntagsfrage wurde.

Doch die eigentliche Frage: Was habe ich auf den 39 Seiten davor verpasst?

Schon vergessen.

Peinlich.

 

[Auf Seite 41 übrigens eine Rezension des Buchs von Karl Heinz Bohrer. Hochinteressant: Die Rezension, das Buch wohl auch.]

 

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Aufmerksamkeitsstarke Anzeige in der Zeit vom 2. März 2017: Wer kann schon 9 CDs gebrauchen, auch wenn es um den genialen Roger Willemsen geht? 

 

 

 

 

Überhaupt: Wer sich das Grauen im Netz antun möchte, insbesondere auf Facebook, wo zum Beispiel Straftaten von Flüchtlingen angeprangert werden, die nie stattgefunden haben, der bekommt leicht eine Vorstellung davon, wie es im späten Mittelalter zu den Hexenverfolgungen kam. Leider haben sich die Menschen in den vergangenen 500 Jahren wohl doch nicht so grundlegend verändert.

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Giovanni di Lorenzo im Leitartikel „Die sprachlose Mitte“, Zeit vom 11. Februar 2016

 

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Bodo Kirchoff auf der Frankfurter Buchmesse 2016 am Stand seines Verlags.

 

Bodo Kirchhoff ist der unumstrittene Star der Frankfurter Buchmesse. Am Mittwoch habe ich ihn überall getroffen, eigentlich war er immer schon da, wohin auch immer ich gekommen bin. Bodo Kirchhoff ist mit „Widerfahrnis“ der Träger des „Deutschen Buchpreises 2016“ und die Hoffnung des Deutschen Buchhandels für das Weihnachtsgeschäft. Ich habe ihm beim Fernsehinterview bei seinem Verlag, der Frankfurter Verlagsanstalt getroffen, im Talk mit der Frankfurter Allgemeinen, mit dem Spiegel und mit der Zeit, immer bemüht, mit Contenance auf immer dieselben Fragen zu antworten. Trägt der Protagonist autobiographische Züge? Was für eine Frau tritt da in sein Leben? Was für ein Kind? Ist das Buch die Auseinandersetzung mit der Flüchtlingskrise? Interessant: Bodo Kirchhoff hat mit dem „Deutschen Buchpreis“ 2016 eine Auszeichnung erhalten, die er im Jahr 2005 maßgeblich mitgegründet hat – das nenne ich nachhaltiges Investment! Und: Bodo Kirchhoff tut sich schwer mit der Vergabe des Literaturnobelpreises an Bob Dylon. Ja, verdient habe sich das der Sänger irgendwie schon, sagt Kirchhoff, aber es gebe noch andere, die ihn noch mehr verdient hätten, wie zum Beispiel Philip Roth, und irgendwann sei es zu spät für die Vergabe eines Preises.

Es tut mir leid, dass Sie in Ihrem Beruf Bücher lesen müssen, die Sie nicht interessieren. Das muss sehr ermüdend sein.

Schriftsteller Navid Kermani im Gespräch mit der Literaturkritikerin Iris Radisch über sein neues Buch „Sozusagen Paris“ in der ZEIT vom 22. September 2016.

Kermani erhielt 2015 den Friedenspreis des Deutschen Buchhandels und ist jüngst für sein bürgerschaftliches Engagement im Zusammenhang mit der so genannten „Kölner Botschaft“ mit dem „Bürgerpreis der deutschen Zeitungen“ des Bundesverbandes Deutscher Zeitungsverleger (BDZV) ausgezeichnet worden.

David Kermani und die Kölner Botschaft
Lesen

 

 

 

 

Twitter wird 10:  "Just setting up my twttr" - das ist der erste Tweet, den der Student und Twitter-Gründer Jack Dorsey am 21. März 2006 um zehn vor eins Ortszeit in San Franciso tweetete.
Twitter wird 10: „Just setting up my twttr“ – das ist der erste Tweet, den der Student und Twitter-Gründer Jack Dorsey am 21. März 2006 um zehn vor eins Ortszeit in San Franciso tweetete.

10 Jahre Twitter am 21. März 2016: Die ZEIT spendiert in ihrer Ausgabe 13/2016 dem Kurznachrichtendienst Twitter eine kongeniale Infografik: Nora Coenenberg (Illustration) und Sven Stillich (Recherche) stellen 10 Jahre Twitter von 2006 bis 2016 in "140 kurzen Häppchen" dar. Auf zum Zeitschriftenladen!

10 Jahre Twitter am 21. März 2016: Infografik von Nora Coenenberg (Illustration) und Sven Stillich (Recherche). ZEIT 13/2016 vom 17. März 2016.

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Auch Peter Sloterdijk und Rüdiger Safranski, die zeitweiligen philosophischen Lehrmeister der Republik, reden über ein leichtfertiges »Fluten« des Landes und eine aus Staatsvergessenheit erwachsene Politik der »schwachen Membrane«, als müsse die Regierung nur ihren Ratschlägen einer rigiden Grenzsicherung folgen – und schon werde alles wieder gut.
Unterkomplexe Antworten haben ihre eigene Suggestion. Dass sie nun aber auch von denen lanciert werden, die sich über Jahre als Gralshüter realer Komplexität und Repräsentanten komplexen Denkens in Szene gesetzt haben, zeigt einen gravierenden Mangel an strategischer Reflexivität in der politischen Kultur dieses Landes.

Herfried Münkler im Beitrag „Wie ahnungslos kluge Leute doch sein können“ in der ZEIT vom 11. Februar 2016 – zurzeit nur als „Print“ verfügbar (immer lohnenswert).

Mehr zum Thema bei Valeat:
Keine Angst oder: Wir brauchen starke Menschen!

Wenn ich mich mit Studierenden treffe,
habe ich immer ein paar Kommas dabei,
um eine Runde zu spendieren.
Die jungen Leute können sich ja noch nicht
so viele Satzzeichen leisten

Stephan Porombka (Jahrgang 1967) in seiner Kolumne „Professors Praxis“ in der Zeit vom 1. Oktober 2015. Hier geht es zu einem Interview mit Stephan Porombka in Zeit online >>>

Sprachlich bleibt er dabei ganz auf dem Niveau seines Gegenstandes. Eine erfolgversprechende Schreibweise, weil das kleinbürgerliche Selbstbewusstsein der Zielgruppe solcher Literatur auktoriale Arroganz gegenüber Figuren sofort wittern und heftig ablehnen würde. Thomas Mann etwa bekäme heute keinen Bestseller hin und zöge sicher manchen Shitstorm auf sich. Verstanden fühlt man sich dagegen im Lebenshilfe-Jargon.

Marie Schmidt in einer Rezension über den neuen Roman „Gegenspiel“ von Stephan Thome in der Zeit von 15. Januar 2015.

Vieles an den urbanen Milieus von heute erinnert an Umgangsformen der fünfziger Jahre. Man greift selbst in Szenevierteln die Tradition der bürgerlichen Salons wieder auf, als müsste man sich seiner Zugehörigkeit zur Schicht der Gebildeten neu versichern. Familiengründung und finanzielle Sicherheit spielen eine größere Rolle als noch vor zwanzig Jahren. In der Arbeitswelt dominiert eine Leistungsbereitschaft, die nicht selten an Selbstverleugnung grenzt. Wobei die neue Konformität nicht mehr pedantisch, sparsam und duckmäuserisch daherkommt, sondern von Teamgeist und der Bereitschaft zur permanenten Optimierung getragen wird. Der Zwang zur Konformität hat gleichsam sein altes Gewand abgestreift und ist modern, individualistisch und flexibel geworden.

Cornelia Koppetsch in der Zeit vom 1. Oktober 2014
 

"Die Linke ist konservativ geworden" sagt die Soziologin Cornelia Koppetsch in einem Interview mit der Zeit vom 1. Oktober 2014.
„Die Linke ist konservativ geworden“ sagt die Soziologin Cornelia Koppetsch in einem Interview mit der Zeit vom 1. Oktober 2014.

Goethe hat noch erlebt, wie die ersten Eisenbahnen fuhren. Schon da hieß es: Diese Geschwindigkeit, dieser Umgang mit der Zeit, das wird unseren Tod bedeuten. Und die ersten Eisenbahnen fuhren gerade mal mit 20 bis 30 Stundenkilometern! Goethe hat in seinen letzten Jahren wunderbare Sachen über Hektik und Beschleunigung geschrieben. Aber gleichzeitig hat er sich eine Spielzeugeisenbahn schenken lassen, weil er auch fasziniert war. Er war offen für das Moderne, er sah aber die Ambivalenz.
(..) Heute erleben wir etwas, was sich kein früheres Jahrhundert erträumen konnte: das Erlebnis von Gleichzeitigkeit. Das ist etwas ganz Ungeheures. In Echtzeit können wir global kommunizieren, Informationen bekommen. Und ich habe den Eindruck, dass wir dafür biologisch gar nicht so gemacht sind.

Rüdiger Safranski in The European 4/2014

Mehr bei Valeat zum Thema „Zeit“:
Entschleunigung
Sein und Zeit

Goethe hat die Eisenbahn noch erlebt. Die Eisenbahn war damals Sinnbild für Hektik und Beschleunigung. Blick auf die Höllentalbahn von Freiburg nach Donaueschingen - hier an der Ravennabrücke. Foto: (c) Valeat
Goethe hat die Eisenbahn noch erlebt. Die Eisenbahn war damals Sinnbild für Hektik und Beschleunigung. Blick auf die Höllentalbahn von Freiburg nach Donaueschingen – hier an der Ravennabrücke. Foto: (c) Valeat

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Ich habe gelernt, genau zu beobachten. Ich schaue jetzt durch die Menschen durch. Das klingt etwas zu einfach, aber ich weiß sofort, wie sich diese Menschen benommen hätten, wenn sie mit mir in einer Zelle gesessen hätten. […]
Wenn mir die Leute in irgendeiner Art unsympathisch sind, kommt das sofort zurück. Dann frage ich mich: Was würden die machen? Würden die mir etwas antun? Oder würden die mich verpetzen, weil ich die ganze Schokolade aufgegessen habe? Das sind vielleicht zu schlichte und zu spontane Reaktionen, aber meistens stimmt es.

Renate Lasker-Harpprecht (Jahrgang 1924, Auschwitz-Überlebende) im Interview mit der ZEIT vom 30. April 2014 auf die Frage „Glauben Sie noch an den Menschen, jedenfalls im Großen und Ganzen?“

Diese Woche erscheinen die »Schwarzen Hefte« des Philosophen Martin Heidegger, die schon vor ihrem Erscheinen für Zündstoff gesorgt haben: Vor allem die Rolle von Martin Heidegger während der NS-Zeit wird diskutiert. Iris Radisch sprach mit Heideggers 93-jährigen Sohn Hermann: Das Interview ist in der Wochenzeitung »Die Zeit« am 6. März 2014 unter dem Titel »Er war ein lieber Vater« veröffentlicht worden. Hermann Heidegger betreut seit 1976 den Nachlass von Martin Heidegger und ist Herausgeber der Gesamtausgabe, die im Klostermann-Verlag erscheint, auch der »Schwarzen Hefte«. Das Interview ist eine Sensation, denn noch nie hat Hermann Heidegger sich zu seinem berühmten Vater geäußert.

Heideggers Hütte in Todtnauberg: Hier hat Martin Heidegger "Sein und Zeit" geschrieben, ein Werk, das der heute 93-jährige Sohn Hermann Heidegger nie ganz verstanden hat, wie er im Interview mit der Zeit vom 6. März 2014 zugibt. Foto: (c) Valeat
Heideggers Hütte in Todtnauberg: Hier hat Martin Heidegger „Sein und Zeit“ geschrieben, ein Werk, das der heute 93-jährige Sohn Hermann Heidegger nie ganz verstanden hat, wie er im Interview mit der Zeit vom 6. März 2014 zugibt. Foto: (c) Valeat

In diesem Interview geht Hermann Heidegger an zwei Stellen ausführlich auf den Antisemitismus-Vorwurf gegen Martin Heidegger ein, der einmal mehr im Vorfeld zum Erscheinen der »Schwarzen Hefte« vehement geäußert wurde und der Blick auf das Werk des »bedeutendsten deutschen Denkers des 20. Jahrhunderts« (Hermann Heidegger über Martin Heidegger) eintrübt.

Die Auseinandersetzung über Heidegger und 1933 ging ja schon während des »Dritten Reiches« los. Die Rektoratsrede durfte beispielsweise nach der zweiten Auflage nicht mehr erscheinen. Während des Krieges gehörte Heidegger nicht zu den Autoren, für die das knappe Papier zur Verfügung gestellt wurde. Klostermann hatte noch eigene Papiervorräte und druckte Heidegger-Texte dennoch ab. Das war ein wichtiger Grund, weshalb der Klostermann-Verlag später die Gesamtausgabe bekommen hat.

Die Gesetze zur Wiederherstellung des Berufsbeamtentums waren schon in Kraft, bevor mein Vater am 21. April 33 zum Rektor gewählt wurde. Kaum war er gewählt, bewirkte er, dass viele der von diesen Gesetzen Betroffenen wieder ins Amt zurückkehren konnten. Bereits am 28. April 1933 wurde die Beurlaubung von vier Juden an der philosophischen Fakultät wieder aufgehoben. Auch sein eigener Assistent kehrte in sein Amt zurück. Er hat auch dafür gesorgt, dass Husserl im Sommer 33 auf dem amtlichen Weg die Mitteilung bekam, dass er wieder lesen dürfe.

Hermann Heidegger (Jahrgang 1920) in der Zeit vom 6. März 2014