Foto: (c) Valeat
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Der Stil ist eine weitere Bedeutungsebene, vielleicht die entscheidende. Das merkt man übrigens bei allen Büchern von Alexijewitsch. Es wird einem nicht gesagt: Hört her, das ist wichtig! Sondern das Wichtige wird einem durch die Stilistik des Textes vorgeführt. Wichtige Bücher sind Wegmarken, die oft einen großen synthetisierenden Aspekt haben: Mehrere Dinge werden zusammen gesehen und erhalten in dieser Zusammenschau eine Bedeutung.

Elisabeth Ruge in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung vom 10. November 2015

Hier geht es zum Interview in der FAZ >>>

Berliner Bogen in Hamburg. Foto: (c) Valeat
Berliner Bogen in Hamburg: Im Vorübergehen habe ich die prächtige Wasserspiegelung mit herbstlichen Bäumen und dem Berliner Bogen gesehen. Das Bürogebäude ist an das Ende eines Hochwasserbassins gebaut und bietet seit 2001 über 1.000 Menschen Platz. Der Berliner Bogen befindet sich am Anckelmannsplatz in Hamburg. Die Rückseite habe ich von der Wendenstraße aus fotografiert. Foto: (c) Valeat

Currywurst. Foto: (c) Valeat
In der Not schmeckt Wurst auch ohne Brot. Wer zu viel über die richtige Ernährung nachdenkt, kann davon krank werden. Foto: Currywurst (c) Valeat

Die WHO hat diese Woche festgestellt: Wurst kann zu Darmkrebs führen. Wie immer kommt es auf die Menge an, die man verzehrt. So empfiehlt sie die Deutsche Gesellschaft für Ernährung zwischen 300 und 600 Gramm Wurstwaren und Fleisch in der Woche, 40 bis 80 Gramm am Tag. Das ist nicht viel. Aber lassen wir uns die Laune auf ein gut belegtes Wurstbrot oder eine leckere Currywurst nicht verderben:

Beim Essen und Trinken geht es aber nicht nur um die Nährstoffversorgung, sondern auch um kulturelle und soziale Fragen. Gemeinsames Essen, gemeinsames Kochen – das ist ein hoher Wert an sich. Wer sich dagegen zu viele Gedanken über seine Ernährung macht, wird gerade davon krank. Das Krankheitsbild, die Orthorexie, kann zu gravierenden Essstörungen, sogar zur Mangelversorgung führen.

Gerhard Rechkemmer im Interview mit der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung vom 1. November 2015

Colmar ist eine schlimme Stadt. Die Menschen dort sind fanatische Patrioten. Es gab zum Beispiel mal eine Goethestraße. Und was haben die gemacht? Eine Petition haben sie gemacht, weil Goethe deutsch war, und einen deutschen Straßennamen wollten die nicht. Wenn die Colmarer etwas essen gehen, dann schlucken die immer zuerst mal eine Trikolore, damit sie nur ja französisch verdauen. Straßburg ist anders. Es ist europäisch. Die hatten die Idee mit dem Museum.

Tomi Ungerer in einem Interview mit der Süddeutschen Zeitung vom 31. Oktober/1. November 2015

Das ist Straßburg…

…und das ist die Homepage des Museums, von dem Tomi Ungerer im Interview spricht. Das ist sein Museum, dessen Werke auch online zu betrachten sind:

Homepage des "Musée Tomi Ungerer" in Straßburg.
Homepage des „Musée Tomi Ungerer“ in Straßburg.

© Jérôme Rommé
Sprechen Sie Deutsch? In hundert Jahren könnte es nach Ansicht des Linguisten Martin Haspelmath durchaus sein, dass selbst eine große Sprache wie Deutsch kaum noch gesprochen wird. Foto: © Jérôme Rommé, Fotolia.com

Wenn sich die gegenwärtigen Trends der Globalisierung fortsetzen, spricht vielleicht in hundert Jahren kaum jemand mehr Deutsch. Ich hänge sehr am Deutschen, wirklich, aber einzig aus sentimentalen Gründen hat noch keine Sprache überlebt. Wenn es aus wirtschaftlichen Gründen sinnvoller ist, und wenn ein Volk keine großen Berührungsängste mit einer größeren Nachbarsprache hat, kann auch eine große Sprache aufgegeben werden.

Martin Haspelmath im Interview mit Andreas Frey in der Süddeutschen Zeitung, 24. Oktober 2015

In hundert Jahren kein Deutsch mehr? Kaum zu glauben. Dafür Französisch, Flämisch, Dänisch, Polnisch oder Tschechisch? In der Wissenschaft hat Englisch dem Deutschen längst schon den Rang abgelaufen. Diese Erfahrung
überträgt der Linguist Haspelmath auf alle Mitglieder der Sprachgemeinschaft.

Es sind nicht sentimentale Gründe, wie Haspelmath meint, warum wir an unserer Muttersprache (die Sprache der Mutter, aus deren Schoß wir geboren sind, die uns genährt hat) festhalten müssen: Unsere Sprache bestimmt unser Denken. Fehlen uns bestimmte Wörter (und dazu die Grammatik als indigene Rezeptur, diese Wörter Sinn stiftend zusammenzusetzen), können wir bestimmte Dinge nicht mehr denken. Was wird aus unserem Denken, wenn wir die Muttersprache gänzlich verlören? Das wäre doch schade, meint Valeat, manchmal wenigstens.

Mehr bei Valeat zu diesem Thema:
Kleines Lexikon der untergegangenen Wörter

Straße in Freiburg. Foto: (c) Valeat
Straße in Freiburg. Foto: (c) Valeat

 
Bisher unter “Straßen” bei Valeat erschienen:

Straße in Siegburg
Straße in Mainz
Straße in Brügge
Straße in Gent
Straße in Essen
Straße in Bonn
Straße in Den Haag
Straße in Krombach
Straße in Frankfurt
Straße in Brüssel
Straße in Leipzig
Straße in Hamburg
Straße im Miniaturwunderland
Straße in Hombroich
Straße in München
Straße in Colmar
Straße in Wismar
Straße in Basel
Straße in Straßburg
Straße in Düsseldorf
Straße in Paris
Straße in Potsdam
Straße in Köln

Rose von Mainau. Foto: (c) Valeat
Rose von Mainau. Foto: (c) Valeat

Die Rose von Mainau nennt sich „Strauchrose Biarritz“ und war eine der letzten Rosen auf der Insel Mainau. Anfang Oktober hatten längst schon die Dahlien das Regiment auf der „Blumeninsel im Bodensee“ übernommen. Diese Rose von Mainau ist meinen Eltern zugeeignet, die sich beide innerhalb von nur fünf Monaten auf einen anderen Weg gemacht haben. Requiescant in pace.