Mut zur Philosophie Vernunft, Wissenschaft und Fortschritt sind die Hauptkategorien des Transhumanismus, einer philosophischen Strömung, die die Vervollkommnung des Menschen durch Technik anstrebt.

Meine persönliche Theorie ist, dass der Transhumanismus auch ein Stück säkularisiertes Christentum ist. Es tauchen etliche Motive auf, die originär christlich sind, beispielsweise die Kritik am Körper als äußerst beschränktem Gefäß für den Geist, als hinfällige, krankheitsanfällige und schmutzige Materie. Ich kann mir nicht vorstellen, dass ein Mensch, der gerne isst und trinkt und Sex hat, eine große Sehnsucht entwickeln kann, auf einer Festplatte als ein digitaler Code weiterzuexistieren. Eigentlich sind diese technikfrömmelnden Transhumanisten ziemlich bornierte Puritaner.

Konrad Paul Liessmann (Jahrgang 1953) im Interview mit der Süddeutschen Zeitung vom 25. September 2015. Das Interview mit dem österreichischen Philosophen führte Michael Stallknecht.

Dass sich einem ein Blatt in den Weg stellt, ist höchst selten. Ich jedenfalls hatte das noch nie erlebt. Also Kamera aus der Tasche und klack -  da ist das Blatt! Foto: (c) Valeat
Dass sich einem ein Blatt in den Weg stellt, ist höchst selten. Ich jedenfalls hatte das noch nie erlebt. Also Kamera aus der Tasche und klack – da ist das Blatt! Foto: (c) Valeat

                                 Sonett

Sei dennoch unverzagt. Gib dennoch unverloren.
Weich keinem Glücke nicht. Steh höher als der Neid.
Vergnüge dich an dir, und acht es für kein Leid,
Hat sich gleich wider dich Glück, Ort und Zeit verschworen.

Was dich betrübt und labt, halt alles für erkoren.
Nimm dein Verhängnis an. Lass alles unbereut.
Tu, was getan muss sein und eh man dir’s gebeut.
Was du noch hoffen kannst, das wird noch stets geboren.

Was klagt, was lobt man doch?
Sein Unglück und sein Glücke
Ist ihm ein jeder selbst. Schau alle Sachen an.
Dies alles ist in dir. Lass deinen eitlen Wahn,

Und eh du förder gehst, so geh in dich zurücke.
Wer sein selbst Meister ist und sich beherrschen kann,
Dem ist die weite Welt und alles untertan.

Paul Fleming (1609 – 1640): Sonett

 
 

Weltraum #132. Foto: (c) Valeat
Weltraum #132. Foto: (c) Valeat

Wenn ich mich mit Studierenden treffe,
habe ich immer ein paar Kommas dabei,
um eine Runde zu spendieren.
Die jungen Leute können sich ja noch nicht
so viele Satzzeichen leisten

Stephan Porombka (Jahrgang 1967) in seiner Kolumne „Professors Praxis“ in der Zeit vom 1. Oktober 2015. Hier geht es zu einem Interview mit Stephan Porombka in Zeit online >>>

wassermusikVon Mungo Parks Expeditionen nach Afrika zur Entdeckung des Nigers erzählt T.C. Boyle in seinem 1981 erschienenen Roman „Wassermusik“, der in der Übersetzung von Dirk von Gunsteren 2014 neu aufgelegt worden ist.

Der Untertitel „Mungo Parks Reisen im Innern Afrikas von 1795 bis 1806“ des 572 Seiten umfassenden Buchs klingt nach Abenteuerroman, und natürlich schreibt T.C. Boyle auf historischer Folie über die spannenden Abenteuer einiger Verrückter, die sich – aus eitlem Forscherdrang oder aus wirtschaftlichen Zwängen heraus – zu den gefährlichen Expeditionen zum Niger nach Afrika aufmachten, um den Durst der britischen Gesellschaft nach Entdeckung fremder Länder und Menschen zu löschen.

Mit „Wassermusik“ bedient T.C. Boyle zwar das Genre Abenteuerroman, ganz vortrefflich sogar, inszeniert aber gleichzeitig das Leben der Gesellschaft Englands und Schottlands auf der Schwelle zum 18. Jahrhundert, das des Bürgertums genauso wie das der Unterschicht, mit feinen Pinselstrichen, auch burlesk und drastisch mitunter, mit einem hohen Maß an psychologischer Einfühlung und großartiger sprachlicher Virtuosität.

Das kann nur einer so: T.C. Boyle, der große Zauberer, der allein für dieses Buch über Mungo Park und dessen Entdeckungsreisen zum Niger den Literaturnobelpreis verdient hätte.

T.C. Boyle: Wassermusik. München, 2014. 572 Seiten.
 

 

T.C. Boyle, Jahrgang 1948, ist Schriftsteller und lebt in Kalifornien. Bis jetzt schrieb er 15 Romane und über 60 Kurzgeschichten. Sein neuestes Buch ist Mitte des Jahres unter dem Titel „Hart auf Hart“ im Hanser Verlag erschienen.

17 Jahre Google am 27. September 2015.
Google ist 17 – am 27. September 2015. Das feiert die Suchmaschine des US-amerikanischen Unternehmens Alphabet Inc. (früher: Google) mit einem „Google Doodle“, einer Illustration auf der Startseite jener Suchmaschine, die sich seit dem 27. September 1998 „Google“ nannte. Yahoo, Altavista oder Lycos waren damals die Konkurrenten. Schon im Jahr 2000, nicht einmal zwei Jahre nach seiner Gründung war Google Marktführer. „Googeln“ wurde zum Synonym für das Suchen nach einem Begriff im Internet. Der Internetkonzern wird als „Datenkrake“ bezeichnet, weil er Daten seiner Kunden sammelt und auswertet. Also auch in Zukunft: Fröhliches Suchen und Sammeln!
Das Doodle von Google zum 17. Geburtstag von Google.
Das Doodle von Google zum 17. Geburtstag von Google.

Es ist der Wachstumskapitalismus, der in der Krise steckt. Das einzige Problem, das wir haben, ist doch, dass das System nicht mehr wächst. Stellen Sie sich vor, Sie haben eine Kuh, die aufgehört hat, Milch zu geben. Der Melker schlägt auf sie ein und schimpft: „Warum gibst du mir keine Milch mehr?“ Und die Kuh sagt: „Ich habe dir alle Milch gegeben, die ich habe. So viel, dass du nicht einmal weißt, was du damit gemacht hast, wo sie ist, wie viel du hast. Aber du bist böse, dass ich dir nicht noch mehr gebe.“ Das ist unser Problem: Egal wie viel wir haben, wir wollen immer mehr.
Das Wachstum ist zum Fetisch geworden, nicht nur in der Wirtschaft, auch in der Gesellschaft und für jeden einzelnen. Überall geht es um „mehr“ und „besser“, immer geht es darum, die Effizienz zu steigern oder sich selbst zu optimieren.

Thomáš Sedláçek im Interwiew mit dem Spiegel 40/2015, 26.09.2015. In seinem neuen Buch „Lilith und die Dämonen des Kapitals“ deutet Sedláçek den Kapitalismus aus psychoanalytischer Sicht.

Mehr bei Valeat zu Thomáš Sedláçek:
Dumme Frage
Deutscher Wirtschaftsbuchpreis geht an Tomáš Sedláček

"Der Bloggerismus ist also eindeutig die tollste Form des Journalismus." sagt Berthold Kohler augenzwinkernd in seiner Glosse "Fraktur". Bald werden Blogwarte durch die digitalen Lande ziehen, um die richtige Gesinnung in der Bloggosphäre sicherzustellen und um zum großen Shitstorm zu blasen, wenn Meinungen zu unbequem werden.
„Der Bloggerismus ist also eindeutig die tollste Form des Journalismus.“ sagt Berthold Kohler augenzwinkernd in seiner Glosse „Fraktur“. Bald werden Blogwarte durch die digitalen Lande ziehen, um die richtige Gesinnung in der Bloggosphäre sicherzustellen und um zum großen Shitstorm zu blasen, wenn Meinungen zu unbequem werden.

 

Der Bloggerismus ist also eindeutig die tollste Form des Journalismus. Es kann somit gar nicht mehr lange dauern, bis die Liste der beliebtesten Berufe in Deutschland einen neuen Spitzenreiter hat: den Blogwart. Er steht für eine Macht, mit der sich niemand anlegen will, wovor mancher Blogger sogar ganz ausdrücklich warnt. Wir schreiben daher hier auch nicht, woran uns das erinnert. Sonst müssten am Ende auch noch wir die Pressefreiheit für uns reklamieren.

Berthold Kohler in „Fraktur“, der Sprachglosse der Frankfurter Allgemeinen Zeitung, die sich aktuell sehr lesenswert mit dem Verhältnis zwischen Journalisten und Bloggern beschäftigt.

http://www.faz.net/aktuell/politik/fraktur/fraktur-von-berthold-kohler-ueber-journalisten-und-blogger-13738321.html

Uns ist klar geworden, dass das Problem weit über den Amazon-Hachette-Streit hinausgeht. Ein Unternehmen hat einen monopolistischen Zugriff auf den amerikanischen Buchmarkt, was Verkauf, Vertrieb und Veröffentlichungen angeht: Das wäre selbst dann beunruhigend, wenn es sich bei Amazon um eine freundliche Firma handelte. Aber so ist es nicht. Amazon ist dabei, den freien Ideenfluss in unserer Demokratie zu beschränken.

Douglas Preston über den Kampf gegen Amazon. Aus: Frankfurter Allgemeine Zeitung, 5. September 2015.