Vernunft, Wissenschaft und Fortschritt sind die Hauptkategorien des Transhumanismus, einer philosophischen Strömung, die die Vervollkommnung des Menschen durch Technik anstrebt.
Meine persönliche Theorie ist, dass der Transhumanismus auch ein Stück säkularisiertes Christentum ist. Es tauchen etliche Motive auf, die originär christlich sind, beispielsweise die Kritik am Körper als äußerst beschränktem Gefäß für den Geist, als hinfällige, krankheitsanfällige und schmutzige Materie. Ich kann mir nicht vorstellen, dass ein Mensch, der gerne isst und trinkt und Sex hat, eine große Sehnsucht entwickeln kann, auf einer Festplatte als ein digitaler Code weiterzuexistieren. Eigentlich sind diese technikfrömmelnden Transhumanisten ziemlich bornierte Puritaner.
Konrad Paul Liessmann (Jahrgang 1953) im Interview mit der Süddeutschen Zeitung vom 25. September 2015. Das Interview mit dem österreichischen Philosophen führte Michael Stallknecht.








