Ein orbánisches Europa wäre kein Europa mehr; Europa muss zu solidarischer Hilfe finden. Aber Deutschland darf seine Hilfe nicht unter europäischen Vorbehalt stellen, unter den Vorbehalt also, dass die anderen auch alle helfen. „Wenn jeder wartet, bis der andere anfängt, wird keiner anfangen!“ Der Satz stammt aus bitterer Zeit, er stammt aus den Flugblättern der Geschwister Scholl. Diese Worte gehören nicht nur in das Museum des Widerstands gegen Hitler. Jeder muss heute für sich nachdenken, was das heute sagt, und wozu das heute verpflichtet – die EU-Staats- und Regierungschefs auch.


Heribert Prantl
in einem Kommentar in der Süddeutschen Zeitung vom 7. September 2015

Straße in Siegburg. Foto: (c) Valeat
Straße in Siegburg. Foto: (c) Valeat

 
Bisher unter “Straßen” bei Valeat erschienen:

Straße in Mainz
Straße in Brügge
Straße in Gent
Straße in Essen
Straße in Bonn
Straße in Den Haag
Straße in Krombach
Straße in Frankfurt
Straße in Brüssel
Straße in Leipzig
Straße in Hamburg
Straße im Miniaturwunderland
Straße in Hombroich
Straße in München
Straße in Colmar
Straße in Wismar
Straße in Basel
Straße in Straßburg
Straße in Düsseldorf
Straße in Paris
Straße in Potsdam
Straße in Köln

Was Schönes auf dem deutschen Zeitschriftenmarkt: die 150. Ausgabe von "Das Plateau". Foto: (c) Valeat
Was Schönes auf dem deutschen Zeitschriftenmarkt: die 150. Ausgabe von „Das Plateau“. Foto: (c) Valeat

 

Unbekannt: Die Zeitschrift „Das Plateau“ – kommt aus dem Radius Verlag, mir völlig unbekannt. Eine Anzeige in der ZEIT fiel mir ins Auge: Die 150. Ausgabe von „Das Plateau“. Das sieht besonders aus; Probeabonnement bestellt.

Eine besondere Zeitschrift, wie Herausgeber Wolfgang Erk in seinem Editorial beschreibt:

Wäre man 1990 an einen Unternehmensberater herangetreten mit der Idee, eine Zeitschrift aus der Taufe zu heben, in der keine Werbung Platz finden sollte und deren Zentrum ein etwa zwanzigseitiger Textbeitrag und zeitgenössische Kunst, die weder gedeutet noch erklärt würde, stehen sollten, so hätte dieser Betrachter sicherlich entsetzt abgeraten. Zum Glück wurde nicht gefragt – und so können wir nun mit der 150sten Ausgabe einer ebensolchen Zeitschrift im bereits 26sten Jahrgang ein weiteres Jubiläum feiern.

Wolfgang Erk im Editorial „Das Plateau“, August 2015

 
Mich hat die schlichte Opulenz von „Das Plateau“ beeindruckt. Die Zeitschrift kommt mit unter 50 Seiten aus, aber diese Seiten sind wirkmächtig: große Schrift (mindestens eine 16-Punkt-Schrift, ohne Typometer) und handfest in hoher Papierqualität. Einfach schön anzufassen und anzuschauen.

Inhaltlich: Eine Kolumne von Asta Scheib, ein Auszug aus einem unveröffentlichten Roman von Ingo Schulze („Das abenteuerliche Leben des Peter Holtz“), ein Kunstbeitrag von Jochen Mühlenbrink („Badende – zwölf Aquarelle auf Passepartoutkarton), Gedichte von Elisabeth Plessen („Für C.“) und eine Rede von Peter Ruzicka („Ein Bürge für die Zukunft“).

Dass es auf dem deutschen Zeitschriftenmarkt so etwas Schönes gibt! „Das Plateau“ erscheint sechs Mal im Jahr und kostet 15 Euro.

Hier die Webseite von „Das Plateau“ >>>

Er musste Deutscher sein, weil ich schon lange einen Roman schreiben wollte, in dem Deutschland vorkommt. Ich habe viel Zeit im Land verbracht, ich spreche die Sprache, und die DDR hat mich seit langem gereizt, das ist ein großes Thema, viel interessanter etwa als das kommunistische Polen, weil es so viel extremer zuging: die Stasi, die Ausmaße der gesammelten Daten, die Zahl derjenigen, die dabei mitgemacht haben – das ist alles extrem. Sehr deutsch.

Jonathan Franzen im Interview mit der Frankfurter Allgemeinen Zeitung, 29.08.2015, über eine der Hauptfiguren seines neuen Romans „Unschuld“, der Andreas Wolf heißt und Deutscher ist.

Mehr über Franzen bei Valeat:
Jonathan Franzen – Freiheit

Mit Fotografie habe ich den Namen Wim Wenders nicht verbunden, bis ich in der Zeitung einen Hinweis auf eine Ausstellung mit dem merkwürdigen Namen „4 REAL & TRUE 2“ gefunden haben – „WIM WENDERS. Landschaften. Photographien. 18.04. – 16.08.2015“. Wim Wenders fotografiert seit Jahrzehnten schon – wusste ich nicht.

 

Die photographische Arbeit ist die andere Hälfte meines Lebens.  Wim Wenders

 

Die meisten kennen Wenders als Regisseur von Kinofilmen wie „Das Salz der Erde“, „Pina“, „Buena Vista Social Club“, „Paris, Texas“ oder – wie ich vor allem – „Der Himmel über Berlin“, den ich wohl ein halbes Dutzend Mal gesehen habe, nicht nur wegen der Dichtungen von Peter Handke und der hochkarätigen Besetzung mit Otto Sander, Bruno Ganz, Solveig Dommartin, Curt Bois – und Peter Falk. Filme von Wim Wenders stehen für höchste cineastische Qualität.

Seine Fotografien sind unbekannt. Zu Wenders‘ 70. Geburtstag in diesem Jahr bietet seine Geburtsstadt Düsseldorf eine Retrospektive seines fotografischen Werks. Eine Reise zu dieser Premiere ist noch nicht zu spät. Zwar ist offizielles Ausstellungsende der 16. August, aber die Wenders-Fotoschau im Kunstpalast ist bis zum 30. August 2015 verlängert worden.

Valeat war schon in Düsseldorf: 80 teilweise großformatige Fotografien und Landschaftsaufnahmen von Wim Wenders zeigt die Ausstellung, die von Beat Wismer, Generaldirektor des Museums Kunstpalast, zusammengestellt wurde, „in enger Zusammenarbeit mit Wim Wenders“, wie es im Faltblatt zur Ausstellung heißt.

 

Wer auf das Bild klickt, der kann sich in gut sechs Minuten über die Wim-Wenders-Ausstellung im Museum Kunstpalast in Düsseldorf informieren; Wim Wenders führt durch die Welt seiner "Photographien"
Wer auf das Bild klickt, der kann sich in einem sechsminütigen Video über die Wim-Wenders-Ausstellung im Museum Kunstpalast in Düsseldorf informieren; Wim Wenders selbst führt durch die Welt seiner „Photographien“

 

Ohne Stativ und Kunstlicht fotografiert Wenders; einzig das natürliche Licht führt zusammen mit Wenders Regie. In ihrer lichten, nackten Einzigartigkeit inszenieren sich die Motive aus sich selbst heraus und entfalten so ihre schlichte und malerische Schönheit: Ein Wald in Brandenburg, ein „bestatteter“ DDR-Trabbi in einem Vorgarten, eine Open-Air-Bühne in Palermo, die Aufräumarbeiten im Ground Zero zwei Monate nach 9/11, weite Landschaften, Armenien, Australien, USA.

Wenders ist viel gereist für die Fotografien, seine Panoramakamera im Schlepp, auf den richtigen Moment für den Auslöser wartend, wie er im hörenswerten Audioguide sagt. Noch ein sprachlicher Schnappschuss zum Schluss: Wenders fotografiert nicht, Wenders photographiert – diese Schreibweise des Wortes zeugt von Wenders‘ Internationalität, sie ist aber vor allem aber Programm seiner Fotokunst: mit Licht (griech.: phos) malen (griech: graphein).

 

Noch bis zum 30. August 2015 (außer montags)
Öffnungszeiten: Dienstag bis Sonntag von 11:00 bis 18:00 Uhr, Donnerstag von 11:00 bis 21:00 Uhr
„4 REAL & TRUE 2“ – „WIM WENDERS. Landschaften. Photographien.“
Museum Kunstpalast
Kulturzentrum Ehrenhof
Ehrenhof 4-5
40479 Düsseldorf
Eintritt: 12 Euro, Audioguide: 3 Euro

Valeat: Zurück in der Bloggosphäre.
Zurück in der Bloggosphäre. Macht es Euch bequem und schaut den wunderlichen Dingen zu, die hier passieren. Einer dieser Liegestühle bleibt unbesetzt: Requiescas in pace! Das Bild zeigt das Museum Kunstpalast im Ehrenhof, Düsseldorf. Foto: Valeat.

In der Welt sein. Foto:  (c)  Jürgen Fälchle, fotolia.com
In der Welt sein. Foto: (c) Jürgen Fälchle, fotolia.com

Es ist wunderbar, dass unsere Sprache fähig ist, mit dem gleichen Wort das sinnliche und das Intelligible auszudrücken, eben den „Sinn“. Man könnte vielleicht sagen, dass alles Denken, ob man es nun Philosophie oder „religiöses System“ nennt, dass all dieses Denken dazu dient, Kontakt und Beziehungen herzustellen. Im Gegensatz dazu sind am Mord, Krieg, physische, wirtschaftliche, kulturelle, symbolische Aggression usw. bestimmte Weisen, den Kontakt zu brechen, ihn zu verhindern, oder etwas anderes als Kontakt zu erzeugen: einen Stoß, eine Verletzung. Und deshalb ist der Sinn der Welt vielleicht bloß die Möglichkeit, sich auf empfindsame, sinnliche und intelligente Weise wirklich in der Welt zu fühlen – denn die Intelligibilität ist nichts anderes als die Empfindsamkeit des Denkens. Wie Heidegger sagt: „In-der-Welt“. Und „In-der-Welt“ heißt etwas anderes, als „im Wasser“ oder „in der Flasche“ zu sein. „In-der-Welt“ heißt: Teil der Welt sein – oder in der Welt ein Teil sein. Was ist eine Welt? Eine Welt ist die Gesamtheit von Sinn, der im Umlauf ist.

Jean-Luc Nancy im Interview mit der Philosophiezeitschrift „Hohe Luft“. Aus: Hohe Luft kompakt – die großen Philosophen unserer Zeit im Gespräch.

Mehr zur Philosophiezeitschrift „Hohe Luft“ >>>